Von MARTIN MATZ, 29.06.06, 09:47h
Natürlich hat Stephan sein Gewerbe beim Ordnungsamt angemeldet. Die Konsequenz ist, dass er Vater Staat Steuern zahlt. Seit Beginn seiner Tätigkeit ist sein Angebot auf rund 80 Produkte angewachsen. Ob fruchtig oder genoppt, klein oder groß, oder einfach nur klassisch: Für jeden ist das passende Kondom dabei. Auch Gleitgel gehört zum Sortiment. Die Preise variieren, je nach Produkt, zwischen 40 Cent und 2,40 Euro, bei größeren Bestellungen gibt es Rabatte. Die Versandkosten sind günstig, ganz im Gegensatz zu vielen anderen dubiosen Anbietern im Internet. Die Website ist übersichtlich gegliedert, Schritte für eine Bestellung sind detailliert beschrieben. Der Absatzmarkt latexfreier Kondome wächst, das Klientel: Naturlatexallergiker. „Kunden wie Allergiker, die nach einer günstigen Alternative suchen und mit meinem
Preis- Leistungsverhältnis zufrieden sind, empfehlen mich natürlich weiter“, erklärt der 19-Jährige. „Dadurch wächst auch mein Kundenkreis. Ich erhalte Bestellungen aus der gesamten Bundesrepublik, beispielsweise von Schülern und deren Lehrern, Studenten und Angestellten - generell Menschen, die Diskretion und guten Service schätzen.“ Mittlerweile verkauft er im Monat um die 2500 Präservative. Tendenz steigend.
Dabei ist sein Erfolgskonzept nicht allein auf die günstige Preispolitik zurückzuführen. Stephan vertritt seine Unternehmerphilosophie mit Nachdruck: „Das Gesamtkonzept muss stimmen. Kurze Liefer zeiten bei sicherem Geldtransfer, qualitativ hochwertige und frische Kondome und eine große Auswahl zur Befriedigung verschiedener Kundenwünsche runden das Angebot ab. Ohne diesen Service kann man auf dem Markt nicht lange existieren.“ Noch handelt es sich um einen Einmannbetrieb. „Mittelfristig werde ich nicht ohne Personal auskommen, und ich möchte diese Unternehmung noch eine ganze Weile führen“, erzählt Stephan Muller zielsicher.
Zurzeit arbeite er an Innovationen, mit denen er seine Marktposition festigen und ausbauen will. „Natürlich kann ich nichts verraten, die Konkurrenz schläft nicht,“, tut der Jungunternehmer geheimnisvoll. „Nur soviel: Sortiment und Service sollen erweitert werden.“ Auch versucht der ehrgeizige Abiturient seinen Kundenkreis zu erweitern. „Auch Bordelle könnten vielleicht lukrative Abnehmer werden, oft sponsert sie jedoch der Kondomhersteller direkt und kostenlos.“ Eins ist jedoch sicher: Wenn Stephan Muller weiter so zielstrebig arbeitet, avanciert er vom Kondomverkäufer zum Millionär.
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