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Warum nicht Bildung exportieren?

Von THOMAS KÄDING, 01.07.06, 07:21h

Das Wort von der „gelben Gefahr“ ist längst aus der Mode. Aber ein gewisses Unbehagen über das, was in China vor allem an wirtschaftswunderlichen Dingen vor sich geht, durchzog auch den Vortragsraum im City-Point.

Kann China von Deutschland lernen? Ein Personalmann und ein Professor gaben Antworten.

Das Wort von der „gelben Gefahr“ ist längst aus der Mode. Aber ein gewisses Unbehagen über das, was in China vor allem an wirtschaftswunderlichen Dingen vor sich geht, durchzog auch den Vortragsraum im City-Point. Am Donnerstagabend behandelten dort auf Einladung des Forum Wuxi-Leverkusen Zhengrong Liu, Zweiter Mann im Personalsektor von Lanxess, und Carsten Hermann-Pillath, Professor an der privaten Universität Witten-Herdecke, die Bildungsseite des chinesischen Booms und seine Auswirkungen auf Deutschland.

Liu, selbst in Shanghai gebürtig, gab den vier Dutzend Zuhörern zunächst einen Einblick in die Arbeitsmarkt- und Lohnverhältnisse in seiner Heimat: Von hohen Gehaltssteigerungen war da die Rede, aber auch von einem hohen Lohngefälle zwischen den Küstenmetropolen im Osten und dem Landesinneren. Selbst zwischen Shanghai und der Leverkusener Wirtschaftspartnerstadt Wuxi bestehe schon ein Gehaltsunterschied von 25 Prozent, berichtete Liu. Ganz zu schweigen von den noch nicht entwickelten Weiten im Landesinnern. Mindestens genau so große Unterschiede gebe es im Bereich der Bildung. „Natürlich gibt es in China eine allgemeine Schulpflicht“, erläuterte Liu. Aber wie die Kinder die neun Jahre verbringen, sei doch höchst unterschiedlich. Immerhin, in die Ausbildung werde stark investiert. Von Maos Kulturrevolution wolle niemand mehr etwas wissen - dabei bringen ihre Folgen große Probleme für den Arbeitsmarkt. „Sie haben in China eine verlorene Generation“, fasste Liu zusammen. Ohne gute Ausbildung, ohne Fremdsprachenkenntnisse.

Inzwischen sei Englisch Pflichtfach, und darauf hat auch Carsten Hermann-Pillath reagiert. Der Sinologe und Wirtschaftswissenschaftler, der in Leverkusen sein Abitur ablegte, startet im Herbst mit 20 Studenten ein Pilotprojekt: In der Sino-German School of Governance ist Englisch die Unterrichtssprache. Der zweijährige Master-Studiengang ermöglicht jungen Chinesen ein praxis- und lebensnahes Studium in Deutschland. Es gibt ein spezielles Betreuungsprogramm und Aufenthalte in Partnerfirmen. Binnen vier Jahren soll die deutsch-chinesische Uni auf eine Kapazität von 350 Studenten ausgebaut werden. Ausgewählt werden sie an den Partnerunis in China, und umsonst ist die Ausbildung im Gegensatz zum Studium an öffentlichen deutschen Universitäten auch nicht: 20 000 Euro werden verlangt.

Trotzdem gab sich Hermann-Pillath optimistisch, dass sich die Sino-German School of Governance als Export-Produkt durchsetzen werde. Denn Bildung, so lautete sein Credo, fehlt bisher noch im Katalog des Export-Weltmeisters Deutschland.



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