Erstellt 03.07.06, 07:03h, aktualisiert 03.07.06, 10:35h
KÖLNER STADT-ANZEIGER: Herr Becker, welches Berufsbild haben Sie von sich? Sind Sie ein Künstler?
BEN BECKER: Ich gebe mir Mühe, ja. Es ist sehr schwer geworden heutzutage, aber ich versuche in eine Richtung Gesamtkunstwerk zu arbeiten. Wenn ich eine Lesung mache, habe ich Spaß daran, ein Bühnenbild zu bauen. Freunde mitzunehmen, die auf der Bühne Musiken dazu machen; das Licht zu machen oder mir Kostüme auszudenken. Und genauso inszeniere ich mich auch im Privatleben bis zu einem gewissen Punkt, wie etwa mit meinem Hut.
Sie tragen jetzt eine Melone auf dem Kopf und auf Ihrer Webseite gibt es ein Foto von Ihnen im Look der 20er Jahre. Es ist erstaunlich, wie gut Sie solche Garderobe tragen können.
BECKER: Deshalb habe ich mir auch die Melone gekauft. Die habe ich eigentlich nicht mehr abgesetzt seit der Arbeit an „Berlin, Alexanderplatz“. Das war am Theater 1998, und seitdem schleppe ich diese Figur und diese Story mit mir rum. Ich habe ja ein Hörbuch gemacht, reise mit der Lesung dazu auch nächsten Monat wieder durchs Land. Diese Figur lässt mich nicht los, was ich aber nicht lästig finde. Ich mag den Franz Biberkopf gern und er ist ein Stück von mir geworden und da ist halt dieser Hut übrig geblieben. Da nehme ich mir gewisse Freiheiten heraus und male sozusagen Bilder, in denen ich selbst Bestandteil bin.
Klingt ganz einfach.
BECKER: Ist es aber nicht. Es hört sich abgedroschen an, aber in Deutschland wird man doch immer wieder in Schubladen gesteckt. Man verlangt von den Leuten, dass sie das machen, wofür sie bezahlt werden und ansonsten die Klappe halten.
Beim Synchronsprechen ist das natürlich genau so. In „Ab durch die Hecke“ sprechen Sie . . .
BECKER: Vincent, den bösen Bären. Ich wusste zwar nicht, dass der durch und durch böse ist und nur am Anfang und am Ende auftaucht, aber ist ja auch egal. Es gibt viel Werbung und dieser Film wird der große Sommerhit.
Sie hatten von 2001 bis 2005 vier Jahre Leinwandpause hinter sich, womit gewisse Strömungen im deutschen Film an Ihnen vorbeigegangen sind.
BECKER: Hm, scheinbar habe ich das verpennt. Weiß ich aber nicht. Zum einen kommen gute Angebote nicht bei mir vorbei. Manchmal denke ich auch an Verschwörung, dass man Ben Becker nicht mehr will. Andererseits gibt es den Film von Oliver Hirschbiegel „Ein ganz gewöhnlicher Jude“, den ich großartig finde. Auch was ich da mache. Ich finde, ganz ehrlich, ich hätte den Filmpreis dieses Jahr dafür verdient; ohne jetzt meinen Kollegen an den Karren fahren zu wollen. Möglich, dass ich schon zu sehr mein eigenes Gesamtkunstwerk geworden bin, dass die Leute mich meiden.
Sie werden regelmäßig vom Berliner Blatt „Zitty“ in die Jahresliste der peinlichsten Berliner aufgenommen.
BECKER: In gewisser Weise ist das auch eine Auszeichnung. Letztes Jahr war ich nicht dabei, was mich sehr gewundert hat. Aber das ist ohnehin so ein Spiel mit den sogenannten linken Szenemagazinen, die gar nicht links sind. Denn da werden die Titelseiten genauso gekauft von irgendwelchen amerikanischen Filmen wie anderswo. Es gibt Blätter, mit denen ist einfacher zu arbeiten als mit solchen verkorksten Möchtegern-Intellektuellen, die aus Erfahrung auf ganz unangenehme Weise und oft leider auch unberechtigt unter die Gürtellinie treten.
Sie spielten Ihre bislang zwei CDs mit der Zero Tolerance Band ein, aber auf dem Cover sind Sie stets allein abgebildet. Das zeugt von gesundem Ego?
BECKER: Naja, ich bin das Aushängeschild, das Gimmick, das Warenzeichen. Innerhalb unserer Freundschaft war das immer so in Ordnung. Da gibt es keinen Neid. Wir arbeiten seit zwölf Jahren zusammen, eine Symbiose von drei Leuten, die gut zusammenpassen. Ich bin derzeit mit den Jungs jeden Tag im Studio.
Steht eine neue CD oder eine Tournee an?
BECKER: Wir haben uns verpflichtet, bei der Ruhrtriennale aufzutreten, in der Jahrhunderthalle in Bochum. Es gibt neue Stücke, neue Texte und auch durchaus den Plan, eine dritte Platte zu machen. Es hat lange gedauert, aber wir müssen ja auch nicht. Wir haben viele Hörspiele aufgenommen, sind ständig auf Tour und geben dann vieles von John Lennon über Jack London bis Döblin und Schiller zum Besten.
Und das Projekt „Bibel als Hörbuch“?
BECKER: Ja, die Bibel lesen. Ich habe den Text zusammengestrichen und möchte die Quintessenz den Leuten nahebringen: Liebe. Es ist irre schwer und ich arbeite jetzt seit 16 Wochen daran.
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