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Den Geburtstag als Todestag gewählt

Erstellt 16.06.06, 20:40h

Der schwarze britische Bauarbeiter Noel Martin, der vor zehn Jahren in Brandenburg Opfer eines rassistischen Angriffs wurde, kündigte in Birmingham seinen Freitod an. Als Todestag wählte er seinen 47. Geburtstag.

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Der an den Rollstuhl gefesselte Brite Noel Martin
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Der an den Rollstuhl gefesselte Brite Noel Martin
Blankenfelde-Mahlow/Birmingham - Die Nachricht schockierte viele, aber niemand sprach am Freitag bei einem Gedenken an die Tat darüber: Der schwarze britische Bauarbeiter Noel Martin, der vor zehn Jahren in Brandenburg Opfer eines rassistischen Angriffs wurde, will sterben.

Der heute 46-jährige kündigte in Birmingham seinen Freitod an. Er wolle am 23. Juli 2007, seinem 48. Geburtstag, sterben, sagte er in einem Interview der Sendung "Brandenburg aktuell" der RBB-Fernsehens. Martin ist seit dem Angriff am 16. Juni 1996, der in einen Autounfall mündete, querschnittsgelähmt und ein Pflegefall. Das Verbrechen in Mahlow (Kreis Teltow-Fläming) hatte bundesweit und international für Aufsehen gesorgt und reihte sich in eine Serie brutaler Anschläge auf Ausländer in Brandenburg.

Rund 70 Menschen erinnerten am Abend in dem Ort mit einem Gedenkmarsch an die Tat. Niemand dürfe wegsehen oder weghören, wenn es im Alltag zu Fremdenfeindlichkeit komme, sagte Brandenburgs Ausländerbeauftragte Almuth Berger auf der anschließenden Kundgebung. Obgleich er ein Opfer fremdenfeindlicher Gewalt sei, habe Martin viel für die Verständigung getan.

Der Gedenkzug am Freitag bewegte sich vom S-Bahnhof Mahlow zum Mahnmal am Glasower Damm, wo Martin 1996 mit dem Auto verunglückte. Zuvor hatten zwei jungen Männer ihn und zwei Kollegen in einem Wagen verfolgt und schließlich einen Feldstein auf das Auto der Briten geworfen. Das Fahrzeug kam daraufhin von der Straße ab und prallte gegen einen Baum. Martin erlitt lebensgefährliche Verletzungen und lag wochenlang im Koma.

Auf der Kundgebung verlas Martins Vertraute Robin Herrnfeld einen Brief des früheren Bauarbeiters. Gerade der Jugend sollte beigebracht werden, dass es nur eine Rasse, nämlich die menschliche Rasse gebe, heißt es darin. Auch wegen der Fremdenfeindlichkeit in England sei der Schwarze jamaikanische Abstammung seinerzeit gern nach Deutschland gegangen, um Wohnungen zu bauen. Als schwer verletztes Opfer von Rassismus sei er dann nach Birmingham zurückgekehrt. "Bitte lassen Sie so etwas nie wieder zu!", appellierte Martin an die Mahlower.

Der Ausländerbeauftragte der Kommune, Mehmet Özbek, beklagte die allgemeine Passivität sowohl der Bürger als auch der Politiker: "Wir können nicht nur reagieren, wenn etwas passiert ist." Vielmehr sei ein ständiges Engagement gegen Fremdenfeindlichkeit notwendig. Er kenne etliche Orte in der Gemeinde, wo nach wie vor Rechtsradikale "abhängen". Blankenfelde-Mahlows Bürgermeister Ortwin Baier sprach von einem "gesamtgesellschaftlichen Problem". Als ein positives Ergebnis des schrecklichen Vorfalls nannte Sozialstaatssekretär Winfried Alber den auch mit Martins Hilfe in Gang gebrachten Jugendaustausch mit Birmingham.

In dem RBB-Interview kündigte Martin an, an seinem 48. Geburtstag im kommenden Jahr noch eine kleine Feier zu geben. "Und dann möchte ich einschlafen. Und das ist alles." Zu diesem Zweck will der Brite in die Schweiz gehen, wo passive Sterbehilfe möglich ist. Er hatte schon in der Vergangenheit klar gemacht, dass er den Zeitpunkt seines Todes selbst bestimmen wolle. Im Jahr 2000 war bereits seine Frau Jacqueline gestorben, wofür er maßgeblich den Stress durch seine Schwerstbehinderung verantwortlich macht.

Die beiden Straftäter aus Blankenfelde-Mahlow - damals 24 und 18 Jahre alt - wurden zu Haftstrafen von acht beziehungsweise fünf Jahren verurteilt. Sie leben heute wieder frei in ihrer Heimatgemeinde. (dpa)



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