Von JOHANNES BÜHL, 11.07.06, 09:10h
Rasen-„Ernte“ bei Peter Breuer: Er steuert einen Traktor mit einer Spezialmaschine über ein 20 Hektar großes Areal bei Weidesheim. Ein Schälmesser trennt den Rasen in verkaufsfertigen Portionen vom Boden. Die Soden sind 40 Zentimeter breit, 2,50 Meter lang und aufgerollt 25 Zentimeter dick. Ihr Gewicht sieht man ihnen nicht an.
Ebenso wenig ahnt der Laie, welchen Aufwand Breuer mit seiner Firma Eubo betreiben muss, bis sein Rollrasen die gewünschte Qualität hat. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Brenig bei Bornheim. Dort hat Breuer Gebäude angemietet, unter anderem ein Büro und Lagerräume. In Großbüllesheim führt er einen landwirtschaftlichen Betrieb, produziert Getreide, Zuckerrüben, Mais und Kartoffeln.
Im vergangenen Jahr gründete er die Firma Eubo und begann, Rollrasen zu kultivieren. Völliges Neuland betrat er damit nicht. „Ein Freund von mir macht das schon über 20 Jahre“, erzählt der Landwirt. Er wusste also, dass erhebliche Investitionen nötig waren, vor allem für Maschinen, sah aber gleichzeitig die Chance, in einen Markt vorzustoßen, der noch nicht überfüllt ist.
Rollrasen-Produzenten sind in unserer Region Exoten, wenn man so will. Hinzu kommt, dass die Deutschen eher konservativ sind, wenn es darum geht, Rasen anzulegen. Das heißt: Nachdem sie den Boden vorbereitet haben, säen sie Gras aus, bewässern die Fläche - und hoffen, dass möglichst schnell die ersten Halme sprießen.
In Holland beispielsweise ist das anders. „Da kaufen sich viele Leute alle drei Jahre neuen Rollrasen“, erzählt Breuer. In den Niederlanden liege der Rollrasen-Anteil bei 60 Prozent, in den USA noch viel höher, in Deutschland dagegen nur bei fünf bis 15 Prozent.
Eine Steigerung wäre natürlich ganz im Sinne des jungen Unternehmens. Um Rollrasen populärer zu machen, arbeitet Eubo mit der Unternehmensberatung „Homeran“ zusammen, deren Geschäftsführerin Ramona Terrail-Mignon sich mit um Marketing und Vertrieb der Eubo-Produkte kümmert.
„Rollrasen hat den großen Vorteil, dass man seinen Garten in kürzester Zeit begrünt hat“, sagt sie. Breuer weist allerdings darauf hin, dass natürlich nicht nur gesäter, sondern auch fertiger Rasen richtig behandelt werden muss. Sonst hat der neue Eigentümer nicht lange Freude an seinem Grün. Die Bodenvorbereitung ist wichtig, hinzu kommen eine fachgerechte Nährstoffversorgung und gewissenhaftes Bewässern. „Am Wasser zu sparen ist fatal“, betont Breuer, dessen Unternehmen Käufern natürlich mit Rat und Tat zur Seite steht.
Aufwändige Arbeit
Eubo gibt seinen Rollrasen an Endverbraucher ab, aber auch an Wiederverkäufer, etwa an Garten- und Landschaftsbaubetriebe. Die Palette reicht von Spiel- und Freizeitrasen für den heimischen Garten über Premiumqualität bis hin zu Sportrasen. Apropos: Die Firma hat erst kürzlich 7000 Quadratmeter für einen Sportplatz in die Schweiz geliefert. Doch auch wer nur ein paar Streifen fertigen Rasen will, wird in Brenig bedient. Die Preise richten sich nach Qualität und Abnahmemenge.
Wer 2,45 Euro (ein Mittelwert) für einen Quadratmeter Spiel- und Freizeitrasen für zu teuer hält, den weist Peter Breuer auf seine aufwändige Arbeit hin: Bis der Rasen nach rund einem Jahr die gewünschte Qualität hat und schälreif ist, muss er allein rund 70 Mal gemäht werden. Nach jeder Mahd wirbelt eine weitere Spezialmaschine das Schnittgut auf, um es aufzusaugen, damit es zu einer Biogasanlage gebracht werden kann. Hinzu kommen Düngen, Walzen und Bewässern.
Binnen 24 Stunden nach Bestellung stellt Eubo den Rollrasen dem Kunden zur Verfügung. Durch ein Vakuumkühlverfahren, das das Einsetzen eines Gärprozesses verhindert, wird er im Lagerhaus frisch gehalten. Wenn die Firma den Rasen ausliefert, geschieht dies in Kühltransportern, die ebenfalls zur kostspieligen Fahrzeugflotte des jungen Unternehmens gehören.
Neben der Fläche bei Weidesheim hat Eubo derzeit zehn Hektar bei Kessenich und zwölf Hektar in der Nähe des Industrieparks am Silberberg mit Rasen belegt. Peter Breuer will expandieren, zum einen in der Region, zum anderen in Polen. So erklärt sich auch der Firmenname: „Eubo steht nicht nur für Euskirchen / Bornheim, sondern gleichzeitig für Europa-Boden.“ Bewährt sich das Konzept, will der Großbüllesheimer sein Personal von drei auf sieben Leute aufstocken.
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