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Der Kartoffel-Fall

Erstellt 12.07.06, 17:30h

Eine Kartoffel will der polnische Präsident Lech Kaczynski auf keinen Fall sein. Deshalb fordert sein Land die Auslieferung des deutschen Autors, der die gleichnamige Satire verfasst hatte. Bundespolitiker sind empört.

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Versteht keinen Spaß: Polens Präsident Jaroslaw Kaczynski
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Versteht keinen Spaß: Polens Präsident Jaroslaw Kaczynski
Berlin - Im Satire-Streit zwischen Deutschland und Polen bemühen sich deutsche Politiker um Mäßigung. Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) riet am Mittwoch, mit der Angelegenheit gelassen umzugehen. Es gebe auch keinen Anlass für die Bundesregierung, auf die polnische Forderung nach einer Entschuldigung zu reagieren. Auch der SPD-Außenpolitiker Hans-Ulrich Klose empfahl, in der jetzigen Situation "ruhig zu bleiben". Die Bundesregierung hob unterdessen ihr Interesse an guten Beziehungen zum Nachbarland hervor.

Auslöser der Verstimmungen ist ein Ende Juni in der linksalternativen Berliner "tageszeitung" erschienenes satirisches Porträt, durch das sich der polnische Präsident Lech Kaczynski beleidigt fühlt. Darin hatte "taz"-Autor Peter Köhler den Staatspräsidenten in der Überschrift als "Polens neue Kartoffel" bezeichnet und sich unter anderem über dessen kritische Haltung gegenüber Deutschland ausgelassen. Kaczynski hatte die Satire Medienberichten zufolge als Verbrechen qualifiziert. Die polnische Regierung hatte von der Bundesrepublik eine Entschuldigung verlangt.

Thierse nannte die Forderung befremdlich. Dieses Vorgehen erinnere an die Einstellung von Führern in Diktaturen, betonte der SPD-Politiker. Thierse warnte davor, das gute Verhältnis beider Länder zu beschädigen.

Regierungssprecher Ulrich Wilhelm teilte mit, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) werde noch in dieser Woche mit dem designierten polnischen Ministerpräsidenten Jaroslaw Kaczynski telefonieren. Ein enges und vertrauensvolles Verhältnis zu Polen habe für Berlin einen hohen Stellenwert.

Klose bezeichnete die Forderung Polens, den deutschen Autor der Satire gar ins Nachbarland auszuliefern, als "Fortsetzung der Satire". Ernster sei zu beurteilen, dass Polen ein Treffen der Staats- und Regierungschefs von Deutschland, Frankreich und Polen Anfang Juli abgesagt habe. Selbst ehemalige Außenminister Polens hätten dies "negativ kommentiert". "Ich finde, das ist die beste Art, darauf zu reagieren", kommentierte Klose. Kaczynski hatte sein Fernbleiben beim "Weimarer Dreieck" mit einer Erkrankung begründet. Vermutungen, er habe den Gipfel wegen des Artikels abgesagt, hatte Kaczynski zurückgewiesen. Lech Kaczynski ist seit dem vergangenen Jahr Präsident in Polen. Sein Zwillingsbruder Jaroslaw soll Nachfolger des zurückgetretenen Ministerpräsidenten Kazimierz Marcinkiewicz werden. Jaroslaw Kaczynski ist bereits ernannt, er muss aber noch vom Sejm bestätigt werden.

(ddp)



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