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„Die Rahmenbedingungen verändern sich“

Erstellt 17.07.06, 07:06h

Die Medienberatungsfirma Goldmedia hat eine Studie über IPTV erstellt. Mit Mathias Birkel, dem Autor der Untersuchung, sprach Till Fromann.

Die Medienberatungsfirma Goldmedia hat eine Studie über IPTV erstellt. Mit Mathias Birkel, dem Autor der Untersuchung, sprach Till Fromann.

KÖLNER STADT-ANZEIGER: Herr Birkel, seit kurzem gibt es das digitale Fernsehen. Jetzt kommt mit IPTV schon wieder eine neue Übertragungsart. Sollte ich mich damit auseinander setzen? Ich will doch bloß in Ruhe fernsehen.

MATHIAS BIRKEL: IPTV zeichnet gegenüber anderen Übertragungsarten die enorm hohe Programmvielfalt aus, die darstellbar ist, als auch ganz neue Möglichkeiten, fernzusehen - das reicht von interaktiven Komponenten über zeitversetztes Fernsehen bis hin zu „Video on demand“, also Programmangeboten auf Abruf.

Wir kennen bereits Livestreams und Videofilme direkt aus dem Internet. Ist das auch IPTV, oder schon wieder etwas völlig anderes?

BIRKEL: Es nutzt zwar dieselbe Technologie, ist für den Endnutzer jedoch gedacht als ganz normale Lösung, Fernsehen auf dem TV-Gerät anzuschauen via Set-Top-Box. Ein PC mit Internetanschluss ist zur Nutzung von IPTV nicht erforderlich.

Der Vorteil von IPTV ist also hauptsächlich die Zahl der Programme, die man empfangen kann?

BIRKEL: Es gibt - im Gegensatz zu anderen Übertragungsarten - keine Kapazitätsengpässe.

In Deutschland gibt es bereits eine Vielzahl von frei empfangbaren Fernsehsendern. Anders als in Italien oder Frankreich, wo IPTV bereits populärer ist als hier. Bräuchte Deutschland, damit solch ein Angebot Erfolg hat, ein schlechteres frei empfangbares Programm?

BIRKEL: Das kann man fast so sagen. Das Problem sieht man auch an der relativ schleppenden Entwicklung von Pay-TV in Deutschland. Der Markt für zusätzliche TV-Angebote, die zusätzlich bezahlt werden müssen, ist vergleichsweise schlecht, weil der Nutzer natürlich verwöhnt ist durch das quantitativ attraktive Free-TV-Angebot.

Sie prognostizieren in Ihrer Studie, dass 2010 lediglich 1,3 Millionen Haushalte Programme via IPTV empfangen werden. Das ist nicht besonders viel.

BIRKEL: Auch in anderen Ländern ist IPTV nicht wie eine Bombe eingeschlagen. Es kommen jedoch noch andere Faktoren hinzu: Wenn man beispielsweise in einer Mietwohnung wohnt und dort Fernsehen über Kabelanschluss empfängt, kann man diesen oftmals gar nicht kündigen. Das erschwert den Wechsel. Zum anderen könnte man bereits in eine Satellitenanlage investiert haben und nicht bereit sein, kurzfristig wieder etwas Neues ins Haus zu holen. Aber die Rahmenbedingungen verändern sich, und es gibt Punkte, die die Akzeptanz erhöhen würden - zum Beispiel eine preisliche Attraktivität in Kombination mit Premium-Inhalten wie der Fußballbundesliga. Oder die geplante Einführung einer Grundgebühr durch Astra.

Das IPTV-Angebot der Telekom wird „T-Home Speed“ heißen, die Bundesliga soll zu sehen sein, die Vermarktung soll „zeitnah“ beginnen. Aber im August will man bereits starten.

BIRKEL: Hier laufen offensichtlich noch die Verhandlungen mit den Partnern, und daher hat man noch nicht mit der Vermarktung begonnen. In der Tat ist das jedoch ganz schön kurzfristig, wenn man bedenkt, dass die Bundesliga in gut vier Wochen starten wird.



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