Von OLIVER MEILER, 20.07.06, 19:00h, aktualisiert 20.07.06, 19:33h
Er war gegen 21 Uhr gerade auf dem Heimweg nach einer Veranstaltung des früheren Geheimbundes Opus Dei im Mailänder Stadtzentrum. Roveraro ist ein einflussreiches Mitglied der umstrittenen Organisation. Seit seinem Verschwinden meldet sich das Opus Dei denn auch außergewöhnlich oft in der Öffentlichkeit und beteuert, das Werk bete für „unseren Sohn“. Ein Zeuge soll Roveraro beim Verlassen der Mailänder U-Bahn-Station Pagano gesehen haben, hundert Meter von seinem Hauseingang entfernt. Dann war er plötzlich weg. Erst Tage später meldete er sich bei seiner Familie, sagte, es sei alles in Ordnung, er habe ein neues Geschäftsmandat in Österreich. Dann sein bislang letztes Lebenszeichen: ein handgeschriebenes Fax an seinen Treuhänder, abgeschickt in einem Businesscenter von Lugano. Darin bittet Roveraro um die Überweisung von einer Million Euro. Die Polizei ließ alle Konten und Güter der Familie sperren.
Eine Entführung? Es gab bisher keine Bekenner. Eine Verzweiflungsflucht Roveraros? Der Financier ist zwar in den Skandal um den Lebensmittelkonzern Parmalat verwickelt, doch er gilt als Mann, der Widrigkeiten standhält. Der Treuhänder des Opus Dei? Roveraro taucht namentlich immer wieder in den weit verzweigten Netzwerken auf. Der Fall erinnert an den rätselhaften Tod des „Bankiers Gottes“, Roberto Calvi, der 1982 erhängt unter der Blackfriars Bridge in London gefunden wurde. Roveraros Familie bittet nun um ein Aussetzen der Berichterstattung in der Hoffnung, eventuelle Entführer würden sich dann eher melden. Roveraros Frau bat auch das Opus Dei, in Zukunft etwas zurückhaltender zu informieren - über dessen illustren „Sohn“.
| JETZT BESTELLEN! 4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%. |
|
Anzeige
Beratung für Ihre Existenzgründung
Epson Tinten – HP Toner kaufen