Von ANJA KATZMARZIK, 24.07.06, 07:15h
Mick Jagger ganz nah. Nur eine Rostbratwurst weit entfernt. Mit unverstellbarem Blick verfolgten Fans, die keine Karten hatten, das Konzert gestern Abend im Stadion an der „Weltmeister“-Pommesbude am Olympiator - jedoch leider das von 1997 . . .
Einen Mitschnitt der „Bridges to Babylon“-Tour zeigten Christian Kirchner („7,95 Euro beim Saturn. Nicht schlecht, oder?“) und Axel Brinkmann („Stones“-Fan „von Berufs wegen“) - an ihrer „Multimedia-Pommesbude“ am Olympiator vor dem Stadion zum Trost. Als Garnitur quasi zur Live-Musik aus dem Stadion-Inneren. Vom Fernseher war zu Konzertbeginn natürlich nichts mehr zu hören: „Uns flogen ja schon beim Soundcheck die Planen weg.“
Die ersten Karteninhaber hatten bereits morgens um halb acht angestanden. Fans ohne Karten machten es sich ab dem späten Nachmittag auf den Vorwiesen im Schatten bequem. Wie Rosi Meikus (43) und Peter Diemann aus Flittard mit der dreijährigen Alina. „Das wäre mein zehntes Stones-Konzert gewesen“, trauerte der 51-Jährige ein wenig. „Aber 90 Euro für die billigste Karte? Das ist einfach zu teuer.“ Dabei: Sogar der Nachwuchs wiege bereits bei Jagger's Stimme im Takt, schwört die Mutter, und sage dazu „Mama, schön!“ Es liegt wohl irgendwie im Blut. Und so kam die „Stones-Familie“ - und blieb. „Ein bisschen Atmosphäre schnuppern ist doch auch ganz schön.“ Das reichte Dachdecker Thomas Jacob (46) und seinem ein Jahr jüngeren Kollegen Bernd Schmidt („Stones-Fan Nummer eins in Bergisch Gladbach“) definitiv nicht - allein schon wegen „Hase Cäsar“. Der habe „Angie“ damals Ende der 60er in der Sendung „Studio B“ angesagt. „Und da hat's mich umgehauen“, gesteht Bernd. Aber auch er hat für die enormen Preise nur Hohn übrig. „Der Jagger verdient gar nichts daran“, spottet er, „der spielt nur für uns.“ Sie hätten die Karten ruhig teurer machen können. „Sonst kommt der nicht über den Winter.“ Natürlich haben die beiden Männer mit ihren Freundinnen Sitzplätze. „Altersgerecht“, sagt Thomas und lacht sich kaputt. Nicht nur die Stones sind eben älter geworden.
Musikgeschmack ist eben manchmal auch eine Frage des Geburtsjahrs. „Ich weiß gar nicht, was ich hier soll“, lief Margret Geyer (23) etwas irritiert auf dem Olympiaweg auf und ab. „Meine Eltern sind Stones-Fans und wohnen in Nürnberg und haben gesagt, da muss ich unbedingt hingehen - sie haben mir sogar jeder 50 Euro gegeben.“ Und Jessika Füssel (23) mit ihrem Freund Marcus Hof (26) wurde ihre zwei Karten zum Stückpreis von 115 Euro, die eigentlich für ihre erkrankte Mutter vorgesehen waren, in letzter Minute los. Das Pärchen konnte sein Glück kaum fassen: kein Cent Gewinn, aber einen freien Abend zu zweit.
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