Von INA HENRICHS, 27.07.06, 09:23h, aktualisiert 27.07.06, 10:39h
Und es klingt ein wenig nach automatischem Verständnis für alte Männer, die schließlich immer noch Männer und gegen das verbotene Verlangen nicht gefeit sind. Aber spätestens wenn der alte Mann mit seinem Bogen einen Pfeil zwischen die Beine des Mädchens schießt, dieses sich dann vor Lust auf dem Boden und dann in einer Blutlache windet, kann von schwieriger Poesie nicht mehr die Rede sein. Dann ist das nur noch Symbolik im Dienste ziemlich unangenehmer Lüsternheit.
Der Film fängt schön an. Kim Ki Duk ist studierter Maler und hat ein archetypisches Bild gepinselt, wenn auch mit grobem Duktus und ziemlich langen Farbnasen. Er setzt seine Protagonisten auf ein einsames Boot und will dank dieser losgelösten Versuchsanordnung erneut eine pure Geschichte über Liebe, sexuelles Erwachen und Abnabelung erzählen: Ein alter Mann und ein 16-jähriges Mädchen leben also mitten auf dem Meer - und das schon seit vielen, vielen Jahren. Das Mädchen ist unglaublich hübsch und unglaublich rein. Es entwickelt sich weiter zur Frau, er sich zurück zu einem ungezügelten Liebhaber. An ihrem 17. Geburtstag will sie der Alte heiraten.
Die Hochzeitspläne werden durchkreuzt von einem jungen, modernen Studenten, der das Mädchen in die gesunde Zivilisation führen will. Mit Pfeil und Bogen wehrt der Alte die Angriffe ab. Worte fallen keine, stattdessen werden die Menschen handgreiflich - dafür ist der Koreaner bekannt, der so oft die Zuneigung zwischen Menschen zeigt, „die allein in der Gewalt ihr adäquates Ausdrucksmittel findet“, wie er in einem Interview gesagt hat. Der Liebhaber der Metaphorik verzichtet auf explizite Sex-Szenen, weiß anfangs auch noch durch kunstvolle Anspielungen beim Zuschauer körperliches Unwohlsein auszulösen. Später geht es einem immer noch schlecht - doch nicht, weil es sich hierbei um einen natürlich grausamen Abschied handelt. Sondern weil die Grausamkeit so unverschämt kitschig dargestellt wird. Es stimmt allerdings, was im Schweizer Seniorweb über die Umgebung gesagt wird, in der Kims Film-Boot schwimmt. Wer sich traut, den Blick schweifen zu lassen - und man macht das irgendwann gelangweilt - hat eine „fantastische Sicht auf den hellen azurblauen Himmel und den weiten Ozean“.
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