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Ausgeklügelte Bestechungssysteme

Von KLAUS DIETER OEHLER, 29.07.06, 07:00h

Je mehr die Ermittler der Staatsanwaltschaften in die Einzelheiten der Automobilindustrie eintauchen, desto stärker erhärtet sich der Verdacht, dass Bestechung in der Branche nicht unüblich ist.

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Pierre Levi, Chef des Zulieferers Faurecia
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Pierre Levi, Chef des Zulieferers Faurecia
Der Chef des französischen Zulieferers Faurecia gibt zu, dass er von Zahlungen wusste.

Frankfurt - Je mehr die Ermittler der Staatsanwaltschaften in Frankfurt und München in die Einzelheiten der Automobilindustrie eintauchen, desto stärker erhärtet sich der Verdacht, dass Bestechung in der Branche nicht unüblich ist. Es scheine so zu sein, dass ähnlich wie in der Bauindustrie Schmiergeldzahlungen für die Vergabe von Aufträgen an der Tagesordnung seien und stillschweigend geduldet würden, sagte die leitende Ermittlerin der Staatsanwaltschaft Frankfurt, Sibylle Gottwald.

Bei manchen Zulieferern gebe es offenbar ausgeklügelte Systeme. So sei auch der französische Autozulieferer Faurecia, der im Mittelpunkt der Ermittlungen der Frankfurter steht, quasi automatisch an das Bestechungssystem gekommen. Als Faurecia 2001 die deutsche Tochtergesellschaft der ebenfalls französischen Firma Sommer Allibert übernommen hat, habe man auch das dort schon seit 1998 übliche Bestechungsverfahren mit eingekauft, sagte die Staatsanwältin.

Der schon damals amtierende Faurecia-Chef Pierre Levi sei davon informiert worden und habe inzwischen schriftlich gegenüber der Behörde zugegeben, dass er von Anfang an von den Schmiergeldzahlungen gewusst habe, sagte Gottwald. Damit stehe er zumindest in dem Verdacht, Beihilfe zur Bestechung geleistet zu haben. Levi steht seit Bekanntwerden der jüngsten Korruptionsfälle unter erheblichem Druck, obwohl er sofort versichert hatte, mit den Behörden eng zusammenarbeiten zu wollen. VW-Konzernchef Bernd Pischetsrieder hatte jedoch bereits im Lauf der Woche in einem Brief an den Chef des Faurecia-Mutterkonzerns Peugeot, Jean Folz, erklärt, dass man mit dem französischen Zulieferer auf dieser Basis nicht mehr zusammenarbeiten wolle. VW ist der größte Kunde von Faurecia. Analysten erwarten, dass sich Levi nicht mehr lange halten lässt.

Das Netz, das die Staatsanwälte in Frankfurt und München inzwischen aufgedeckt haben, umfasst bisher insgesamt elf Zulieferfirmen im In- und Ausland und zumindest die drei Autohersteller VW, Audi und BMW. Wer im Einzelnen in die Korruptionsaffäre verwickelt ist, wollten die Ermittler nicht sagen. Auf der Kundenliste von Faurecia finden sich alle großen Namen der Automobilindustrie. Hintergrund sei der ungeheure Preisdruck in der Branche, der die Unternehmen dazu verführe, sich mit Bestechungsgeldern Wettbewerbsvorteile zu verschaffen, vermuten die Ermittler.

Offenbar macht sich das für manche Zulieferer durchaus bezahlt. Denn obwohl die Branche darüber klagt, dass die Hersteller Jahr für Jahr weitere Preiszugeständnisse fordern, hat sich die Ertragslage der Zulieferindustrie nach einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger in den vergangenen fünf Jahren deutlich verbessert. Die Kapitalrenditen seien im Durchschnitt von 8,6 auf 11,3 Prozent gestiegen.

Die verdächtigten Faurecia-Mitarbeiter sollen Bargeld in sechsstelliger Höhe pro Jahr an Einkäufer der Autokonzerne gezahlt haben, um zusätzliche Aufträge zu ergattern. Außerdem seien Möbel und Urlaubsreisen finanziert und der Freundin eines Geschäftspartners bei Audi ein neuer Job zur Verfügung gestellt worden. Prostitution wie in der Korruptionsaffäre bei VW sei nach den bisherigen Erkenntnissen nicht im Spiel. Den Beschuldigten drohen im Fall einer Anklage und Verurteilung Freiheitsstrafen.



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