Erstellt 24.07.06, 15:46h
Wie üblich kabbelten sich die Gitarristen Keith Richards und Ron Wood auf der Bühne, die sich mit ihren charakteristisch tief gehängten Instrumenten duellierten. Und wie auch in den vergangenen 40 Jahren war es Richards vergönnt, den einen oder anderen Einsatz tüchtig zu verpatzen. Dafür durfte der vom Leben im Rock'n Roll Circus schwer gezeichnete 62-Jährige auch wieder zwei Stücke singen, voll rührender Selbstironie und natürlich mit der unvermeidlichen Zigarette im Mundwinkel.
Ansonsten gehörte die Show in bewährter Manier Mick Jagger. Zwar hat der Sänger seinen typischen Dauerlauf um die 60 Meter breite Bühne inzwischen stark eingeschränkt. Jagger, der am Mittwoch 63 Jahre alt wird, weiß natürlich, wie er seine Fans zu nehmen hat. "Habt ihr eine 'jeile Zick'?", radebrechte er auf kölsch und ließ später auch die in Köln stets gerne gehörten Gemeinheiten Richtung Düsseldorf vom Stapel. Seine Ausnahmestellung als Sänger und Entertainer bewies er vor allem bei "Sympathy für the devil", als er als rotgewandete Verkörperung des Bösen über die Bühne flanierte.
Kaum zu glauben, dass das das Live-Debüt der Briten schon 44 Jahre zurück liegt. In dieser Zeit ist ein großer Fundus von Hits entstanden. Davon gab es in Köln unter anderem das zuletzt selten gespielte "As tears go by" zu hören, nicht aber die Ballade "Angie", die dank der Bundeskanzlerin hierzulande zu neuer Popularität gekommen ist.
Ticketpreise von bis zu 450 Euro hatten den Abend zu einem eher exklusiven Vergnügen gemacht. Doch die Rechnung geht für die Band offenbar auf: 116 Millionen Euro sollen die Stones nach Branchenschätzungen in ersten Halbjahr 2006 bereits auf der aktuellen "Bigger Bang" Tournee eingenommen haben.
Das Kölner Publikum, im Durchschnitt deutlich jenseits der 40, nahm es jedenfalls gelassen. "Ich möchte nicht wissen, wie viele Fans inzwischen mit dem eigenen Zivildienstleistenden anreisen", wurde am Bierstand im Stadion gewitzelt.
Verwaschene Stones-Tournee-T-Shirts aus dem 80er Jahren spannten sich über üppige Bierbäuche, die obszön rausgestreckte Zunge, das Markenzeichen der Band, zierte Base-Caps und Tätowierungen. "Das sind die Jungs, vor denen mich meine Mama immer gewarnt hat", strahlte die 53-jährige Heide Mischalla aus Frankfurt. Sie ist mit ihrer Tochter nach Köln gereist, weil das in Frankfurt geplante Konzert ausfiel: "Für diese Jungs ist mir kein Weg zu weit." Auch die 24-jährige Studentin Meike schwärmte: "So Typen gibt es in der heutige Musikszene doch nicht mehr."
Auf den Klassiker "Satisfaction" mussten die Fans bis zur Zugabe warten. Nach fast zwei Stunden Show beendeten die Rolling Stones ihr einziges Gastspiel in NRW.
Am Ende eines rundum gelungenen Abends blieb bei vielen der Konzertbesucher, unter ihnen auch BAP-Chef Wolfgang Niedecken, ein Hauch von Wehmut. Werden die vier betagten Herren jemals wieder in so ausgezeichneter Verfassung zu erleben sein ? Nicht jeder ist so optimistisch wie Alt-Fan Holger aus Mönchengladbach: "Guck Dir die Jungs doch an ! Die Stones sind doch das beste Argument für die Rente ab 72."
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