Erstellt 31.07.06, 11:02h, aktualisiert 03.08.06, 20:10h
China rüstet seine Klimaanlagen und Kühlschränke auf, und in Köln rupfen nachts Diebe Kupferkabel aus KVB-Trassen. Nur auf den ersten Blick haben diese beiden Phänomene nichts miteinander zu tun. Tatsächlich aber ist es so: Seit China auf dem Weltmarkt immer mehr Kupfer ordert, ist der Rohstoff knapp und entsprechend teuer geworden. Kupferklau ist an der Tagesordnung, vor allem in der Schweiz, seit einigen Monaten schlagen die Diebe aber auch vermehrt in Köln zu.
In der Nacht zum Samstag haben Zivilpolizisten eine Frau festgenommen, die hundert Kilo Kupferkabel in einem Kinderwagen durch Merheim schob. „Die Kabel hingen an den Seiten heraus, eine Zivilstreife hat das gesehen und die Frau angehalten“, berichtete Polizeisprecher Jürgen Göbel. Die 36-Jährige, die mit ihren drei Kindern im Alter zwischen acht und 14 Jahren unterwegs war, hätte noch versucht, das Metall in einem Gebüsch zu verstecken. Als die Beamten nachhakten, behauptete die Frau, ein Unbekannter habe ihr den Draht auf dem ehemaligen Madaus-Gelände geschenkt. Wahrscheinlicher ist, dass die Kabel von der KVB-Baustelle am Kieskauler Weg in Merheim gestohlen wurden. Das jedenfalls prüften gestern Mitarbeiter der KVB und die Polizei.
Vermutlich sollten die hundert Kilo Kupfer an einen Schrotthändler verkauft werden. Für ein Kilo zahlt die Branche derzeit zwischen vier Euro und 4,50 Euro. „Die Preise haben sich in den vergangenen Monaten vervierfacht“, sagt Hans Limburger vom Elektrogroßhandel Kreuser & Jensen in der Werderstraße. „Die Chinesen saugen den Weltmarkt förmlich leer. Früher war man froh, wenn man sein Altkupfer bei einem Schrotthändler überhaupt loswurde, und jetzt ist das Metall richtig teuer geworden.“ Elektrofirmen schließen ihre Kupfervorräte auf Baustellen nachts ein. „Niemand lässt über Nacht mehr eine Kabeltrommel draußen stehen. Die wiegen ja bis zu 300 Kilo, sind also um die tausend Euro wert“, sagt Limburger.
Obwohl die KVB in den vergangenen Wochen bereits fünfmal gestohlene Kabelstränge in Gleisanlagen ersetzen mussten, hält sich der materielle Schaden in Grenzen. „Das hat uns bisher vielleicht tausend Euro gekostet“, schätzt Sprecher Joachim Berger. „Ärgerlicher ist es, dass unsere Kunden wegen der Reparaturen immer wieder Verspätungen in Kauf nehmen müssen.“ Bestimmte Bereiche in Holweide und Mülheim, wo die Kupferdiebe schon viermal aktiv waren, lässt die KVB per Video überwachen, die Polizei schickt häufiger mal einen Streifenwagen oder Zivilbeamten vorbei. „Kupferdiebstahl ist für uns ein ernstes Thema geworden“, bestätigt ein Polizeisprecher.
Kupfer gilt nach Silber als bester Strom- und Wärmeleiter. Aus Kupfer sind etwa die Drähte und Kabel in elektronischen Geräten sowie die Heiz- oder Kühlschlangen in Autos, Wohnungen oder Industriemaschinen.
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