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Expedition in ein unwirtliches Land

Von JOACHIM VON LOEBEN, 09.08.06, 09:32h

Mit dem Motorrad durch die äthiopische Danakil-Wüste: Das Danakil ist eine einzigartige geo-tektonische Wüstenlandschaft, in der es kaum feste Straßen gibt.

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Der Treck auf Schattensuche bei mehr als 50 Grad.
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Der Treck auf Schattensuche bei mehr als 50 Grad.
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Ab durch die Wüste: Joachim von Loeben.
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Es ist 20 Grad um drei Uhr am frühen Morgen - müde kriechen wir aus unseren Zelten. Drei von uns klettern in einen höhergelegten Toyota Land Cruiser - ich schwinge mich auf mein Motorrad, eine betagte Honda Afrika Twin. In dunkler Nacht sind nur die Umrisse einer spektakulären Mondlandschaft wahrnehmbar. Drei Stunden später blinzeln die ersten Sonnenstrahlen über die fernen Bergrücken. Die Sonne geht auf, ein roter Feuerball schiebt sich über den Horizont. Bald ist sie so gleißend, dass man Schutz suchen möchte. Doch in dieser Gegend gibt es keine Bäume, die Schatten spenden könnten. Im Tal unter einer Anhöhe schimmert das Weiß des Salzsees von Afrera.

Von Addis Abeba sind wir aufgebrochen, den Nordosten von Äthiopien mit einem Geländewagen zu durchqueren. Auf den Spuren der altehrwürdigen Salzkarawanen durch die Danakil-Wüste. Eine Region, die durch ihre Kargheit und Schönheit gleichermaßen besticht. Hier scheuern zwei tektonische Erdplatten gegeneinander. Die Erde ist in Bewegung: Am Vulkan Erte Ale, wo man flüssige Lava bestaunen kann. Außentemperaturen können im Danakil auf über 50 Grad klettern. Die Menschen hier leben vom Salzabbau und der Viehzucht. Das Salz wird in Handarbeit in 30 mal 30 Zentimeter große Platten geschnitten, die dann in einer mehrtägigen Kamelkarawane ins äthiopische Hochland geschafft werden. Doch die Tage der Kamelkarawanen sind wohl gezählt, denn die Regierung baut eine neue Straße, um das weiße Gold mit Lastwagen abzutransportieren. In den Bergen angekommen, werden die Platten in einer Salzaufbereitungsfabrik zerkleinert - eine Arbeit mit der Handsäge. Die Portionen werden etwa in die Größe eines Goldbarrens gebracht und anschließend auf die Märkte des Landes verteilt. Früher war Salz hier so wertvoll wie Gold. Nicht nur wegen der Form des Salzstückes, auch wegen der aufwändigen Gewinnungsmethode. Und die Menschen hier sagen, es habe einen ganz besonderen Geschmack.

Unsere Weiterfahrt von Afrera ist gefährdet, weil die Straße zum Erte Ale durch eine Überschwemmung versperrt sein soll. Wir nehmen einen Dorfbewohner mit an Bord und wollen uns zum Überschwemmungsgebiet durchschlagen, um dort im „Süßwasser“ zu baden. So jedenfalls unsere Begründung gegenüber dem örtlichen Polizeichef. Er lässt er uns ziehen.

Ein ausgefahrener Pfad führt durch Salzabbaugebiete und nach wenigen Kilometern an die Überschwemmung. Eine direkte Durchfahrt ist tatsächlich unmöglich, dafür ist die Wasseroberfläche zu groß. Wir beschließen, den kleinen See zu umfahren und wagen die Route über das angrenzende Lavafeld. Einen Weg gibt es nicht mehr, und wir müssen aufpassen, unsere Reifen nicht an den scharfen Lavasteinen aufzuschlitzen. Der Bordcomputer zeigt 16 Stundenkilometer und zugleich 51 Grad Außentemperatur.

Am nächsten Morgen weckt uns die Hitze. Wir legen uns in den Schattenwurf des Autos. Um uns herum spielen Kinder. Bei der Abfahrt fliegen Steine hinter uns her. Es sind dieselben Kinder, die eben noch friedlich mit uns spielten. Ein Symbol von Mut. Die Bewohner des Afar-Dreiecks sind ein traditionelles und stolzes Volk. Zum Zeichen ihrer Stärke tragen Afar-Männer Krummdolche um den Bauch, und manche von ihnen haben ein Maschinengewehr über der Schulter baumeln.

Unsere Fahrt ist heute nur wenige Kilometer lang, denn es ist Freitag, und ab Sonnenuntergang begehen die Juden den Sabbat, das heißt beten und ausruhen. Unsere Wasservorräte neigen sich dem Ende zu, wir müssen für Nachschub sorgen. Leitungswasser gibt es nicht, also gehen wir zum örtlichen Wasserloch. Das Wasser ist braun und dient Mensch und Tier gleichermaßen zum Waschen, Trinken und Kochen.

Den Sabbat verbringen wir mit Preisverhandlungen für eine Kameltour zum Erte Ale. Wir haben einen Festbetrag ausgehandelt und sind gespannt auf die flüssige Lava dieser hochvulkanischen Gegend, die wir zu sehen bekommen sollen. Doch der oberste Häuptling des Stammes ist nicht zufrieden. Der Handel platzt, und wir müssen schweren Herzens unverrichteter Dinge abziehen.

Wir durchqueren weite Ebenen und treffen Nomaden mit umherziehenden Kühen, die uns freundlich begrüßen und frische Milch anbieten. Wir trinken die Milch aus Kalebassen. Sie hat einen leicht rauchigen Geschmack, was daran liegt, dass die Hirten die Holzgefäße zum Zwecke der Desinfektion über den Rauch ihrer Lagerfeuer hängen. Wasser ist hier zu wertvoll, um es zum Waschen zu verschwenden. Die Afar sind in bunte Gewänder gehüllt, sie tragen Schmucknarben im Gesicht und haben leicht geschliffene Schneidezähne. Das Feilen der Schneidezähne hatte früher noch einen praktischen Grund. Es soll den Menschen bei Wundstarrkrampf helfen, Flüssigkeit und Nahrung durch die Zahnlücke aufzunehmen.

Der Lenker zeigt weiter gen Norden. Hier gibt es viele kleine Löcher im Boden. Die Nomaden graben sie mit bloßen Händen, um sich mit Wasser zu versorgen. Schon eine Elle tief unter der Erdoberfläche befindet sich Grundwasser.

Daloll heißt die tiefste Stelle der Danakil-Senke, 116 Meter unter dem Meeresspiegel. Der Untergrund wird immer weicher, und das Motorrad sackt hinten langsam ein. Gas geben bis die Reifen durchdrehen. Als ich nicht mehr weiterkomme, legen wir gemeinsam das Motorrad wieder frei. Den Rest der Strecke müssen wir zu Fuß zurücklegen. Mit steigender Temperatur hat sich eine Wasserschicht auf dem Salz gebildet. Am Ende waten wir durch knöcheltiefes Wasser.

Unser Nachtquartier wollen wir in den angrenzenden Bergen nehmen, weil dort die kühlen Nachttemperaturen die lang ersehnte Erfrischung bringen soll. Die Strecke windet sich durch ein trockenes Flussbett und erfordert höchstes fahrerisches Geschick. Wir lassen eine einzigartige urtümliche Welt hinter uns.



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