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Der 100-Milliarden-Dollar-Fehler

Von RENATE GRIMMING, 10.08.06, 07:01h

Service, Vertrieb und Software-Entwicklung gab IBM früh in fremde Hände. Der Pionier mit einem überwältigenden Marktanteil war schließlich nur noch ein Anbieter unter vielen.

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Monitor und Rechner mit Systemplatine des ersten IBM-PC. Ein erschwinglicher Computer in jedem Haushalt - das war vor 25 Jahren eine Vision, die nur wenige teilten.
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Monitor und Rechner mit Systemplatine des ersten IBM-PC. Ein erschwinglicher Computer in jedem Haushalt - das war vor 25 Jahren eine Vision, die nur wenige teilten.
Hamburg - Ein für jeden erschwinglicher Computer in jedem Haushalt und auf jedem Schreibtisch - das war vor zweieinhalb Jahrzehnten noch eine Vision, die nur wenige teilten. Selbst Experten aus der Technologie-Branche gaben den kleinen grauen Kisten, die wenige Jahre später die Haushalte im Sturm eroberten, keine Chance und hielten diese Idee für lächerlich. Für so etwas sei die Nachfrage in der Bevölkerung viel zu gering, hieß es auch in Studien, die große Industrieunternehmen in Auftrag gaben. Doch im August 1981 sollte sich mit dem IBM 5150, dem ersten Personal Computer des großen Technologie-Giganten, diese Ansicht als Fehleinschätzung herausstellen.

Es gab schon einige Vorläufer in den 70er Jahren, etwa den von den Apple-Gründern Steve Jobs und Steve Wosniak entwickelten Apple II, doch erst IBMs Erfindung legte den Grundstein für den weltweiten Siegeszug des Personal Computer. Noch wenige Jahre zuvor füllten vergleichbar leistungsfähige Maschinen ganze Lagerräume und benötigten rund 60 Techniker für Betrieb und Wartung.

Marktreif in einem Jahr

Bis zum August 1981 kosteten Computer von IBM nicht selten bis zu neun Millionen Dollar und benötigten ausgeklügelte Belüftungssysteme. Der IBM 5150 kam dagegen als kleine graue Kiste für nicht viel mehr als 1500 Dollar auf den Markt und machte den Computer mit einem Schlag zu einem Gebrauchsgegenstand im Haushalt. Im Jahr 2005 waren nach Angaben des Branchenverbands Bitkom weltweit fast 880 Millionen PC in Gebrauch.

Innerhalb von nur einem Jahr hatte das Team um den IBM-Manager Bill Lowe den IBM 5150 auch gegen die Skeptiker im eigenen Haus zur Marktreife gebracht und damit sogar gestandene Branchenkenner überrascht. Einem der größten IT-Unternehmen der Welt hatte man eine solche Flexibilität nicht zugetraut. Der IT-Dienstleister zitiert in seinem Rückblick selbst einen Analysten, der der Meinung war, dass ein Personal Computer von IBM sei, als wolle man „einem Elefanten das Tanzen beibringen“.

Die International Business Machines Corp. (IBM) galt als konservatives Unternehmen, dessen adrett gekleidete Mitarbeiter riesige Rechenanlagen für große Konzerne vertrieben. Einen Erfolg mit den kleinen PC hatten sich selbst die Optimisten unter den IBM-Managern nicht vorgestellt. Innerhalb von drei Jahren wollte IBM eine halbe Million PC absetzen - verkauft wurde mit zwei Millionen Stück das Vierfache.

Anders als bei ihren großen Rechenanlagen gab IBM allerdings Service, Vertrieb und Software-Entwicklung in fremde Hände. Bill

Gates mit seiner kleinen Firma Microsoft wurde 1980 unter Vertrag genommen und legte mit dem ersten Betriebssystem den Grundstein für eine bis heute beispiellose Geschäftskarriere. Die Lizenzverträge mit dem großen Technologie-Riesen machten die kleine Softwarefirma zwar nicht reich, ließen ihr aber die Freiheit, ihr Betriebssystem anderweitig zu lizenzieren.

Was den überwältigenden Erfolg des IBM-PC anheizte, führte aber gleichzeitig dazu, dass IBM in der Geschichte des Personal Computer nicht zu den großen Gewinnern zählt. Microsoft lizenzierte seine Software an andere Hardwarehersteller, die in kürzester Zeit ihre eigenen „IBM-Klons“ oder IBM-kompatiblen PC auf den Markt warfen. Hielt IBM einen zunächst überwältigenden Marktanteil, war der Pionier wenige Jahre später nur noch ein Anbieter unter vielen.

Die Chance nicht genutzt

IBM habe den größten Unternehmensfehler auf Erden begangen, schätzt Larry Ellison, Gründer der Software-Schmiede Oracle. IBM sei der erste Hersteller dieser Technologie gewesen und habe dies nicht genutzt. „Ich glaube, nicht viele von uns haben die Chance, einen 100-Milliarden-Dollar-Fehler zu machen“, sagt Ellison.

IBM hat sich inzwischen vom Hardware-Hersteller zu einem IT-Dienstleister gewandelt. Nach Milliarden-Verlusten verkaufte der Konzern schließlich seine verbliebene PC-Sparte 2005 an den chinesischen Hersteller Lenovo. (dpa)



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