Erstellt 16.08.06, 07:30h
Doch die kritischen THM-Werte sind nicht der einzige Grund, weswegen die Anlage bereits im Januar vom Netz genommen wurde: In einer Stellungnahme des Umweltbundesamtes heißt es, dass die anodische Oxidation (so arbeitet die Anlage) zurzeit nicht den allgemein anerkannten Regeln der Technik entspreche. Sechs Monate lang sollte die erste Messreihe im KAG dauern, bei Erfolg sollten weitere Oxidationsanlagen in Bonner Schulen installiert werden. Teilweise waren die auch schon bestellt, so das städtische Pressamt Anfang Januar. Doch dazu kam es dann nicht. Am 11. Januar wurde die insgesamt 12 000 Euro kostende Anlage abgestellt. Und bis heute nicht mehr in Betrieb genommen. Auch das Gesundheitsamt hatte Bedenken: „Ein Mitglied einer vom Gesundheitsamt beauftragten Kommission hat festgestellt, dass die Anlage für den dauerhaften Einsatz noch nicht geeignet ist“, sagt Friedhelm Naujoks.
Die Kritikpunkte der Hygieniker aber könne man bereits im Probebetrieb beseitigen, beruhigt der städtische Gebäudemanager. So müsse das System nicht geöffnet werden, um zum Beispiel von Kalkablagerungen gereinigt zu werden. In den 90er Jahren hatte Naujoks an der Entwicklung des „kostengünstigen und vor allem chemiefreien Verfahrens“ mitgearbeitet. Naujoks: „Das gab es schon viel länger, war aber nicht funktionstüchtig.“ Der Gebäudemanager hat also ein Verfahren mitentwickelt und dieses später als Angestellter der Stadt in einer Schule eingesetzt. Kritiker vermuten einen Interessenskonflikt, Naujoks habe an der Anlage möglicherweise verdient.
„Unverschämtheit“
Den Konflikt habe es nie gegeben, versichert der Gebäudemanager und bezeichnet die Vorwürfe als „eine Unverschämtheit“. Er habe keine finanzielle Vorteile gehabt. Doch wieso wurde die Oxidationsanlage überhaupt eingebaut? Naujoks versichert, dass zunächst alle Verfahren überprüft wurden, um die Legionellen abzutöten - 270 der 316 Wasseranlagen in Bonn seien bisher getestet worden. Die anodische Oxidation werde dort eingesetzt, wo die technischen Bedingungen keine Alternative zuließen, erklärt Naujoks. „Durch den Probebetrieb sollte nachgewiesen werden, dass die Anlage gut läuft“, sagt Naujoks. Es sei nachgewiesen worden, dass die Abtötung der Keime funktioniert. Um die aufgetretenen THM-Werte im Limit zu halten, sei jetzt geplant, die Anlage im KAG in Intervallen laufen zu lassen, erklärt Naujoks. Sie soll sich dann nur noch fünf bis sechs Stunden am Stück der aktiven Legionellenbekämpfung widmen.
Wann die Anlage wieder laufen wird, ist derzeit noch nicht klar. „Wir gehen erst wieder ans Netz, wenn wir grünes Licht vom Umweltbundesamt haben oder die Anlage dem Stand der Technik entspricht“, sagt Naujoks. (jab)
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