Von MARTIN WEBER, 16.08.06, 21:50h, aktualisiert 16.08.06, 21:51h
„Och“, sagt Suzie Kerstgens, Sängerin und Texterin der Kölner Band Klee, so lapidar wie möglich und so keck wie nötig, „darüber hab noch nie nachgedacht. Ich plapper ja zwischen den Songs immer viel, die Jungs trinken beim Warten ihr Bier, und irgendwann hab ich bei einem Konzert eben mal eine Bierflasche auf diese Art leergemacht. Mich hat dabei nix geritten, das hat auch nix mit Anstrengung zu tun, ich kann das halt.“
Auf der Bühne sei sie kein anderer Mensch als im Alltag, sagt Suzie Kerstgens, und mit dem Image, vor und hinter (als weiblicher DJ) Kölner und anderen Tresen eine „exzentrische Hupe“ zu sein, könne sie leben - und dann erzählt sie, dass für das Dasein als Sängerin einer Popband ein kleiner Kniff ganz hilfreich war. „Seit ein paar Jahren schreib ich meinen Vornamen in der Mitte mit »Z«, das sieht nicht so süß und niedlich aus wie mit »S«. Sondern eher zackig wie »Zorro«. Wenn du blond bist, auf Deutsch singst und emotionale Texte schreibst, brauchst du dich um Vorurteile und Klischees nicht zu kümmern; die sind dann einfach so da.“ Fürwahr: Die Songs, die Suzie Kerstgens zusammen mit Sten Servaes und Tom Deininger geschrieben hat, sind auch auf dem neuen Album „Zwischen Himmel und Erde“ scheinbar schwerelos leicht, sie haben jede Menge Pop intus - und die Liedertafel, die Suzie Kerstgens mit betörend süßer Stimme kredenzt, ist schonungslos romantisierend.
Zunächst jedenfalls. „Da steckt aber mehr Drama drin, als man beim ersten Hören mitbekommt“, sagt Suzie Kerstgens, und mit dieser Einschätzung liegt sie goldrichtig. „Du brauchst mich, um zu bleiben / ich brauch dich, um zu gehen / du brauchst meine Augen / um dich selber zu sehen“, heißt es in der ersten Single „Die Stadt“, und das bedeutet zum einen: Manche Zustände hören nie auf. Es gilt: menschlich, ledig, nicht mehr ganz jung, immer noch: suchend. Und das heißt auf der Soundebene: Klee gehen ihren Weg - weg mit den Elektroschleifchen, hin zum transparenten Song - so konsequent wie entspannt weiter und bauen britischer Popmusik ein erdbebensicheres Luftschloss.
„Pop aus Großbritannien ist die Musik, die wir alle schon beim Großwerden geliebt haben“, erklärt Suzie Kerstgens, „Das war der Soundtrack zu dem ganzen intensiven Paket: Knutschen, Lieben, Trennen. Warum sollten wir unsere Einflüsse verheimlichen? Es geht doch darum, diese Einflüsse miteinander zu verknüpfen. Popmusik ist ein riesiges Referenzsystem, neu erfinden kannst du eh nichts mehr. Mit dem letzten Album haben wir um die 120 Konzerte gespielt und dabei richtig viel erlebt, und deshalb mussten wir danach schnell ins Studio, um das alles zu verarbeiten. Die Songs kamen direkt aus dem Herzen geschossen, sie sind einfach so passiert.“
Suzie Kerstgens lacht ihr Lachen - das Lachen einer Frau, die es faustdick hinter den kleinen Ohren hat: Man kann ihr das glauben. Und sich darauf freuen, dass beim nächsten Klee-Konzert das Bier wieder perlt. Vor der Bühne im Publikum und auf der Bühne in Suzie Kerstgens' Dekolleté.
Klee spielen am 26. August auf der c / o pop im Jugendpark
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