Schriftgröße

„Emmas Glück”: Exquisite Akteure

Von UWE MIES, 17.08.06, 11:05h

Liebevoll, fast zärtlich nimmt Emma das Schwein in den Arm und spricht ihm beruhigend zu. Dann versenkt sie ein Messer in den Hals des Tieres. "Siehst du, es hat überhaupt nicht wehgetan."

Emmas Glück
Bild vergrößern
Emma (Jördis Triebel) liegt im neuen Kinofilm "Emmas Glück" auf einer Wiese.
Emmas Glück
Bild verkleinern
Emma (Jördis Triebel) liegt im neuen Kinofilm "Emmas Glück" auf einer Wiese.
Es liegt eine verstörende Kraft in dieser Szene, die früh aufs Ende verweist. Womit schon eine ganze Menge über diese junge Bäuerin gesagt und gezeigt ist, die ihren Hof ganz allein bewirtschaftet und nun hart am Rande des Ruins entlangschrammt.

Emma hat sich nicht nur deshalb einen Panzer aus Sturheit zugelegt, an dem Dorfpolizist Henner (wie immer hyperangespannt: Hinnerk Schönemann) regelmäßig abprallt, wenn er im Rahmen seiner Behutsamkeit die Frau umbuhlt. Eines Abends will er um ihre Hand anhalten, und ein Fremdling ist im Haus.

Max ist krebskrank im finalen Stadium. Er wollte sich das Leben nehmen und ist mit einem geklauten Wagen aus dem Salon seines Freundes Hans und dessen Schwarzgeldkasse durch eine Leitplanke geflogen und direkt vor Emmas Tür gelandet. Sie hat Max gepflegt, den Wagen entsorgt und das Geld gesichert; für die eigene Kasse.

Eine pfiffige Ausgangslage für eine Liebesgeschichte in etwas anderem Umfeld, und man staunt nicht schlecht, wie leicht und selbstverständlich diese Geschichte (nach dem gleichnamigen Roman von Claudia Schrei ber) auch bei wildesten Storyhürden ihren Weg nimmt. Schließlich werden nicht nur komplexe Selbstfindungsprozesse aufgeschlüsselt, es passieren auch sonst ziemlich verrückte Dinge.

Es sind aber auch exzellente Schauspieler, die Sven Taddicken („Mein Bruder, der Vampir“) für seine neue Kinoarbeit verpflichtet hat. Jürgen Vogel und mehr noch die sensationelle Entdeckung Jördis Triebel, die bislang nur ausgewiesenen Bühnenkennern ein Begriff sein konnte, spielen ihre Rollen mit einer intensiven Hingabe, die tief berührt und traumwandlerisch sicher den Grat zwischen Krokodilstränen und echten Gefühlen meistert.

Dass dabei der melodramatische Part dem Mann zukommt, ist eine weitere anregende Überraschung im immens unterhaltsamen Handlungsverlauf. Das ist stimmungsvoll fotografiert (Kamera: Daniela Knapp), und wenn die Musik mal nicht aufs Gefühl drückt und die Regie sich nicht mit gestelzten Einfällen in den Vordergrund spielt, dann ist diese anrührende Geschichte tatsächlich ein richtig guter Liebesfilm.



Den Kölner Stadt-Anzeiger im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Orte des Geschehens

große Karte

Anzeige


WAS.WANN.WO.


Bildergalerien


Kölner Stadt-Anzeiger auf dem iPad


Studio DuMont


Video


Kolumne


Extra


Stadtmenschen Community


Extra


Die andere Meinung


ksta shop


Links


Dienste