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Zu Besuch in Spaniens schönsten Dörfern

Von Manuel Meyer, 08.08.06, 11:18h, aktualisiert 08.08.06, 11:24h

Wer das "wahre Spanien" erleben möchte, sollte fernab der Städte und Strände einen Streifzug durch die Dörfer unternehmen. Dort erleben Besucher Land, Leute und Geschichte am besten.

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Das Dorf Deiá hat nicht zuletzt viele Prominente in seinen Bann gezogen.
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Das Dorf Deiá hat nicht zuletzt viele Prominente in seinen Bann gezogen.
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Pedro Martínez bewirtet in Pedraza de la Sierra viele Tagesausflügler aus Madrid.
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Pedraza de la Sierra/Deià - Wer das "wahre Spanien" erleben möchte, sollte fernab der Städte und Strände einen Streifzug durch die Dörfer unternehmen. Dort erleben Besucher Land, Leute und Geschichte am besten. Schöne Dörfer gibt es in Spanien viele - und in fast jeder Region ist eines in der Reichweite von Mietwagen-Lenkern.

PEDRAZA DE LA SIERRA - Wie sieht eine Zeitmaschine aus? In Kastilien ist sie rund vier Meter hoch, zweieinhalb Meter breit und fünf Meter tief: das Stadttor von Pedraza de la Sierra, einem verschlafenem Dorf in der Nähe von Segovia. Der Gang durch die "Puerta de la Villa" ist wie ein Sprung ins Mittelalter: Alte Steinhäuser säumen die engen Gassen aus Kopfsteinpflaster, es riecht nach gebratenem Fleisch und nach Holzöfen. Die Haustüren aus alter Eiche scheinen seit Jahrhunderten nicht ausgewechselt worden zu sein.

Gleich neben dem Stadttor befindet sich - in die dicke Stadtmauer eingelassen - das Gefängnis aus dem 16. Jahrhundert. Hinge nicht das Schild "Dorfmuseum" davor, würde der Besucher hier glatt nach der Wache mit Rüstung und Schwert suchen. Abgesehen von einigen wenigen Autos lässt eigentlich nichts auf die heutige Zeit schließen.

Das wussten auch Filmemacher wie Orson Welles und Yves Montand zu schätzen. Welles drehte in Pedraza 1965 die Shakespeare-Geschichte "Falstaff", die im 15. Jahrhundert spielt. Yves Montand ließ in "La folie des grandeurs" den Komiker Louis de Funès als Steuereintreiber im mittelalterlichen Spanien durch die Gassen von Pedraza hetzen. Verändern mussten beide Filmemacher an der Szenerie kaum etwas.

"Das war damals schon ein Ereignis", erinnert sich Pedro Martínez. Viel Zeit zum Schwelgen in der Vergangenheit hat der Kellner aus dem Restaurant "El Soportal" allerdings nicht. Es ist Wochenende, viele Touristen aus dem nahen Madrid sind angereist, um hier "Lechal de cordero" zu verspeisen. Pedro schiebt ein paar weitere Milchlämmer in den Steinofen. "Sie werden nur mit Salz und etwas Pfeffer versehen und brutzeln dann rund drei Stunden in ihrem eigenen Sud", verrät er das Rezept. Das Geheimnis ist aber natürlich die Fleischqualität. Es handelt sich um Lämmer, die in einem Alter von 25 Tagen geschlachtet und vorher ausschließlich mit Muttermilch ernährt wurden.

Kelten kamen 400 Jahre vor Christus

Pedraza de la Sierra liegt auf einem Felsvorsprung und ist zu drei Seiten von einer Schlucht umringt, die mit Kiefern und Birkenhainen durchzogen ist. Im Tal hört man die Fluten des Flusses Cega. Die Kelten wurden 400 Jahre vor Christus hier ansässig. Danach errichteten Römer, Westgoten, Araber und Kastilier ihre Häuser. Seine Blütezeit erlebte Pedraza im 16. und 17. Jahrhundert, als die Region durch riesige Schafherden zu Wohlstand gelangte. Heute ist Pedraza nur noch so groß wie zwei Fußballfelder und zählt 465 Einwohner. "Doch das ruhige, entspannte Leben hier würde ich für nichts in der Welt eintauschen", verrät eine ältere Dame, die mit ihren Freundinnen zum Dorfplatz Plaza Mayor gekommen ist, "um Touristen anzuschauen".

DEIÀ - Die Schwärmerei von Künstlern wie Joan Miró und Frédéric Chopin hat das Dorf an der Nordwestküste Mallorcas berühmt gemacht. Tausend Jahre alte Olivenbäume, Bambushaine und Jasmin-Büsche säumen den Weg zur Kirche, die über der Ortschaft thront. Orangen- und Zitronenbäume duften am Wegrand. Immer wieder kommt man an kleinen Ateliers vorbei, und vor allem der Besuch des Friedhofs lohnt sich.

Den Blick vom terrassenförmig angelegten Gottesacker auf die Küste wusste schon der englische Schriftsteller Robert Graves zu schätzen, der Jahre lang in Deià lebte und sich hier begraben ließ. Auch Peter Ustinov, Kate Moss, Bruce Springsteen, U2-Sänger Bono, Bob Geldof und Gabriel García Márquez genossen bereits die Idylle des verstecken Dörfchens. Nächster berühmter Einwohner wird Ex-James-Bond-Darsteller Pierce Brosnan werden, der sich hier gerade eine Villa bauen lässt.

Trotz der vielen prominenten Liebhaber hat Deià nichts von seiner Ruhe eingebüßt. Das mag auch daran liegen, dass es seit dem Ansturm der Reichen und Berühmten ein recht teures Pflaster geworden ist. Besonders attraktiv ist auch die nähere Umgebung des Dorfes: Die Bucht von Deià gehört wohl zu den schönsten Stränden Mallorcas, die Pinienwälder und das wilde Felsengebirge sind ein Wanderer-Paradies.

VEJER DE LA FRONTERA - In der Provinz Cádiz gelegen, ist Vejer ein Musterbeispiel der "pueblos blancos", der weißen Dörfer Andalusiens. Mit seinen steilen Gassen und den weiß bekalkten Häusern mit Geranien auf dem Balkon gehört es buchstäblich zu den prächtigsten Orten des Landes - bereits 1978 erhielt es den nationalen Tourismuspreis "Das Schönste Dorf". Vejer thront auf einem Berg, von dem aus sich Blicke auf die wilde Landschaft und die zehn Kilometer entfernte Küste bieten. Die Häuser bilden einen steinernen Irrgarten, in dessen Zentrum die Reste einer alten Maurenburg stehen. Beim Bummel stoßen Besucher immer wieder auf mit Hinterhöfe voller Blumentöpfe.

Gegründet wurde Vejer von den Römern, der dorfnahe Aquädukt Santa Lucia ist ein letztes Überbleibsel aus dieser Zeit. Berühmt wurde Vejer während der Rückeroberung Spaniens von den Mauren. Die Region hatte über 600 Jahre unter arabischer Herrschaft gestanden. Die engen Gassen, Pflanzen, Speisen und Straßennamen in Vejer sind heute noch Erbschaften der langen maurischen Zeit. Erst im Jahr 1250 eroberte Spaniens König Fernando III. das Dorf zurück, das fortan die Grenze zwischen dem christlichen Spanien und dem von den Arabern besetzten Restgebieten in Andalusien darstellte. Deshalb führt Vejer auch den Namenszusatz "de la Frontera" (an der Grenze).

Auf dem höchsten Punkt, wo heute die Kirche Divino Salvador steht, befand sich früher die Moschee. Von hier aus gelangt man durch ein prächtiges Tor ins alte Judenviertel mit dem schönen Kloster "Convento de las Monjas Concepcionistas". Es stammt aus dem Jahre 1552 und ist das einzige Renaissance-Gebäude im Dorf.

ALBARRACÍN - Eine maurische Vergangenheit spürt der Besucher auch noch in Albarracín. Schon beim Anblick aus der Ferne wird schnell klar, wer dieses Dorf in den roten Fels gemeißelt hat: Berberische Moslems errichteten die Wehrburg im südlichen Aragonien um 970. Auch heute noch leben die Dorfbewohner in Häusern, die eigentlich gar keine sind: in Wassertürmen, in der Stadtmauer, in den Felsen. Es wimmelt nur so von Schwalben, die sich überall eingenistet haben.

Die Dorfbewohner geben sich zurückhaltend. Doch bei einem Glas Rotwein und der pikanten Wildscheinwurst, einer Spezialität aus Albarracín, werden sie dann doch etwas gesprächiger. "Eigentlich ist Albarracín ein einziges Museum. Nicht nur, weil es hier so ruhig ist, sondern wegen der vielen historischen Bauten", sagt Gemüsebauer Juan Ramos, der sich gerade einen kräftigen Rotwein im "Mesón del Gallo" gönnt. Er hat Recht: Beim Spaziergang durch die gepflasterten Gassen trifft der Besucher immer wieder auf Paläste, Herrenhäuser und Kirchen mit beeindruckender Renaissancekunst.

Nicht weit von der Maurenburg befindet sich der Bischofspalast aus dem 16. Jahrhundert. Bestaunt wird auch der 18 Kilometer lange Aquädukt aus der Römerzeit, der einst von Albarracín nach Cella führte. Albarracín steht als Weltkulturerbe unter Schutz der Unesco.

SANTILLANA DEL MAR - Dieses Dorf im nördlichen Kantabrien kann auf eine noch ältere Geschichte als Albarracín verweisen - sie reicht bis in die Steinzeit. Die Höhlen von Altamira, die auch "Sixtinische Kapelle des Paläolithikums" genannt werden und ebenfalls zum Weltkulterbe gehören, machten das Dorf über Spaniens Grenzen hinaus berühmt.

Den Namen bekam das Dorf wegen der Stiftskirche Santa Juliana, einem Vorzeigeexemplar romanischer Architektur mit schönem Kreuzgang. Im 12. Jahrhundert errichtet, wurde die Kirche rasch zur Anlaufstelle für Pilger auf der Jakobsweg nach Santiago de Compostela. Aus dicken Steinen geformte Herrenhäuser aus dem 15. Jahrhundert säumen die "Rúas" aus Kopfsteinpflaster der Altstadt. Der Valarde-Palast und der im Barockstil gebaute Valdivieso-Palast zeugen von früherer Größe.

Das größte touristische Interesse gilt zwar der Plaza Mayor und dem Merino-Turm aus dem 14. Jahrhundert. Doch Santillana hat mehr zu bieten als Architektur und Geschichte. Kantabrien ist landesweit für seine Küche bekannt - und wo kann man diese mehr genießen als in den traditionellen Bauernküchen der Dörfer? Mit kräftigen Eintöpfen, Käse und Meeresfrüchten aus dem Atlantik verwöhnt der Ort Urlauber wie Einheimische. Neben Besuchen in den Höhlen von Altamira bietet die Ortschaft allen Wander- und Naturfreunden Ausflüge in die Naturparks Cabárceno und "Picos de Europa". Dort sind noch Bären, Wildgämse und Adler zu Hause. Auch die Atlantikstrände liegen gleich in der Nähe. (dpa/gms)



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