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Schweiß und unerfüllte Liebe

Von JÜRGEN KISTERS, 22.08.06, 07:43h

Innenstadt - Die Ausstellung „Hi Fans“, gibt während der c/o pop in den RheinTriadenEinblicke in das geheimnisvolle Universum des Musik-Fan-Seins.

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Tanja Godlewsky (l.) und Tanja Pöpping sind froh, in ihrer Jugend selber Musik-Fans gewesen zu sein.
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Tanja Godlewsky (l.) und Tanja Pöpping sind froh, in ihrer Jugend selber Musik-Fans gewesen zu sein.
Die Ausstellung „Hi Fans“ gibt während der c / o pop in den RheinTriadenEinblicke in das geheimnisvolle Universum des Musik-Fan-Seins.

Innenstadt - Sie formieren sich bei Konzerten in Clubs und Stadien, schreiben meterlange Briefe an ihre Stars oder kreischen sich die Seele aus dem Leib. Sie lassen sich freiwillig in der ersten Reihe vor der Bühne die Rippen zerquetschen, den Namen ihrer Helden auf den Arm tätowieren und erleben erdbebengleiche Gefühlsausbrüche. Die Rede ist von Musik-Fans.

In deren ebenso einfaches wie komplexes Seelen- und Handlungsuniversum führt eine Ausstellung hinein, die Tanja Godlewsky und Tanja Pöpping von Fram Büro für Konzept und Design anlässlich der c / o pop in den RheinTriaden, dem Gebäude der ehemaligen Bundesbahndirektion, veranstalten. „Hi Fans!“ lautet das Motto der multimedialen Kunst- und Designpräsentation, die in acht Räumen allerhand Phantasien, Kuriositäten und Zweifelhaftigkeiten aus der Welt der Fans sichtbar werden lässt.

Wofür steht diese Leidenschaft? Wohin kann sie führen? Was sind die Absonderlichkeiten? Und was ist das für ein Markt? lauten einige der aufgeworfenen Fragen. Dabei präsentieren die Organisatorinnen bewusst keine der üblichen Dokumentationsausstellungen. Vielmehr haben sie Künstler und Designer dazu animiert, kreative Werke aus individueller Sicht zum „Erfahrungsfeld Fan“ zu gestalten. Aus 80 Bewerbungen wählten Pöppig und Godlewsky 30 aus, die ihrer Ansicht nach „eine runde Sache zum Thema ergeben“.

„Wir waren selber überrascht, wie vielschichtig die Beiträge sind“, sagen Godlewsky (Jahrgang 1972) und Pöpping (Jahrgang 1973). Dazu gehören zum Beispiel die Kleider, die die Norwegerin Lina Johannessen speziell entwirft, um damit die Konzerte ihrer Lieblingsband überall in Europa zu besuchen. Interessant auch die T-Shirt Serie, mit der die Design-Gruppe „Ventilator“ das Thema Stalking aufgreift, verbunden mit der provokativen These, Stalking sei eine legitime Reaktion von Fans auf die penetrante Medieninszenierung der Stars.

Lena Schröder wiederum hat aus alten Band-T-Shirts neue Kleidungsstücke genäht. Gerit Godlewsky setzt eine Fotosequenz über einen Fan von Marsch- und Jagdmusik in Szene. Die Gruppe „Dresscode“ hat eine interaktive Installation aus den Tanzstilen verschiedener Fangruppen geschaffen. Weitere Arbeiten beschäftigen sich mit Fanzines, der Beeinflussung der Fans in der Masse und Fansprüchen auf öffentlichen Mädchen-Toiletten.

Für Pöpping und Godlewsky selber bedeutet Fan-Sein „Leidenschaft, unerfüllte Liebe, Schweiß und Tränen“. Sie erklären: „Wenn man das nicht in einer bestimmten Phase seines Lebens erlebt hat, weiß man nicht, was es heißt, sich für etwas zu verzehren. Dann fehlt etwas im Leben“. Und: „Diese Begeisterung hört nie auf. Auch wenn man Jahre später die Musik hört, ist das Gefühl wieder oder immer noch da.“

Allerdings bedeutet das für Pöpping und Godlewsky auch, „dass vieles am Fan-Sein aus der zeitlichen Distanz peinlich ist“. Gerade diesen Abstand halten sie für einen ganz wichtigen Entwicklungsschritt der Charakterbildung. „Irgendwann sollte es aufhören, obwohl die Erinnerung daran nie aufhört.“

Anschaulicher und besser als Annette Klofat und Robin Meijerink in ihrem Ausstellungsbeitrag lässt sich das nicht ausdrücken. Sie haben einen Fanschrein-Bausatz entwickelt, aus dem zunächst eine Kiste zum Sammeln von Devotionalien und schließlich ein Sarg zum Abschließen und Aufbewahren der Dinge gemacht werden kann. Um die Fan-Stücke auf dem Dachboden oder im Keller zu verstauen und nach 20, 30 Jahren wieder hervorzuholen.

Nach Richard Tauber in den 1920er-Jahren, Elvis Presley in der 50ern, den Beatles und den Rolling Stones in den 60ern hat sich die Fan-Kultur über Abba, Punk, Madonna oder Depeche bis hin zu Robbie Williams und Tokio Hotel gerade auch im Zuge von Musik-TV-Sendern und hochprofessionellen Medieninszenierungen bis heute sehr verändert. „Die Fan-Objekte der Begierde sind vor allem musikalisch dürftiger und peinlicher. Tokio Hotel sind nicht die Beatles“, stellen Pöpping und Godlewsky fest.

Rhein-Triaden, Konrad-Adenauer-Ufer 3-11, Öffnungszeiten: 23. August, 18 bis 21 Uhr, 24. und 25. August, 17 bis 21 Uhr, 26. und 27. August, 14 bis 21 Uhr. Am 24. August findet ab 19 Uhr ein Live-Programm mit Lesung, Musik und einer Performance statt



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