Von HELMUT FRANGENBERG, 24.08.06, 07:19h
„Das Herz hat entschieden“, sagt Achim Winkler. Der stellvertretende Chef des Duisburger Zoos kommt nicht nach Köln. „Man hat mir den roten Teppich ausgerollt und mich dermaßen hofiert, dass ich mich für Duisburg entschieden habe.“ Die Möglichkeit, in Duisburg zum Direktor aufzusteigen, sei völlig überraschend gekommen. Der Aufsichtsratschef des Kölner Zoos, Walter Grau, nannte Winklers Entscheidung „menschlich nachvollziehbar“, aber auch „ein bisschen unfair“.
Mit den Querelen im Kölner Zoo, beteuert Winkler, habe die Entscheidung nichts zu tun - und doch: Die Absage ist der Höhepunkt einer Krise, die seit Monaten dem Image des Kölner Zoos schadet. Ein Ende ist nicht in Sicht. Zwischen dem noch amtierenden Zoochef Gunther Nogge und dem Aufsichtsrat des Tiergartens herrscht Funkstille. Nogge
hat sich kurz nach seiner Vertragsverlängerung bis zum Ende des Jahres krank gemeldet. Er sei „dienstunfähig“, teilte er selbst per Pressemitteilung mit. „Dienstunfähigkeit stellt normalerweise ein Amtsarzt fest“, sagt Grau. Der ansonsten
ruhige CDU-Ratspolitiker sieht sich seit Wochen einem „Psychoterror“ ausgesetzt, wie er sagt. Zoochefs oder Fördervereinsmitglieder bombardieren ihn mit E-Mails, in denen der
„unwürdige Abschied“ von Nogge kritisiert und eine angemessene Altersvorsorge gefordert wird. „Die kennen alle meine E-Mail-Adresse und wurden wahrscheinlich durch Rundschreiben informiert“, formuliert Grau vorsichtig. Er habe sich immer um eine sachliche Auseinandersetzung mit Nogge bemüht. „Je mehr Druck er nun ausübt, desto
mehr verschlechtert sich seine Lage.“ Nicht nur Grau fragt sich, wie man angemessen die großen Verdienste des scheidenden Kölner Zoochefs würdigen soll.
„Er wird vor Gericht ziehen müssen“, sagt er. Der Aufsichtsrat habe
im Streit um die Höhe der Ruhestandsbezüge von Nogge einen eindeutigen Rechtsstandpunkt. „Wir können da nichts machen.“ Nogge will, dass der Aufsichtsrat nachbessert,
weil ihm die früher getroffene Regelung ein Ruhegehalt in Höhe der üblichen Beamten-Pensionen in Aussicht gestellt habe. Nogges Altersvorsorge wurde auf Basis einer Lebensversicherung geregelt. Sie fällt nun geringer aus als vor Jahren angenommen. Im Aufsichtsrat des Zoos wundert man sich darüber, dass das Nogge nicht schon in den
letzten Jahren aufgefallen ist. „Nogge war Allleinvorstand des Zoos. Er hat jedes Jahr die Bilanz unterschrieben“, wundert sich Grau.
Neben dem Pensionsstreit hat die Entscheidung des Aufsichtsrates, Nogges Wunschkandidaten bei der Wahl seines Nachfolgers durchfallen zu lassen, für Wirbel gesorgt. Nogge wollte, dass der Vogelkurator des Zoos, Theo Pagel, die Leitung übernimmt, doch das Aufsichtsgremium entschied sich überraschend für den Mann, der nun abgesagt hat. „Ich habe keine Sorge, dass der Kölner Zoo einen guten Nachfolger findet“, sagt Winkler und empfiehlt mit Nachdruck „den hauseigenen Kandidaten“. Theo Pagel sei eine „hochkompetente Kraft“. Er scheint weiter bereit, das Amt anzutreten.
Aufsichtsratschef Grau sieht keinen Grund für eine neue Ausschreibung. Es hätten sich genügend gute Kandidaten beworben. Einen Grund zur Eile gebe es nicht. Zum Anfang nächsten Jahres werde es einen neuen Zoochef geben.
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