Von BENJAMIN JESCHOR, 25.08.06, 07:12h
Waffe gezückt
Doch dies ist nur einer von insgesamt 13 Fällen, in denen Mustafa D. schwerer Raub und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen wird. Zwischen September 2005 und Anfang Januar diesen Jahres soll der Angeklagte Angst und Schrecken bei Prostituierten im Rheinland verbreitet haben. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass D. Callgirls in Koblenz, Neuwied, Bonn, Köln und Düsseldorf aufgesucht und überfallen hat.
Seine Masche soll immer die gleiche gewesen sein: Zunächst überreichte der vermeintliche Freier den vereinbarten Geldbetrag. Dann zückte er seine Waffe, verlangte sein Geld zurück und forderte von den Frauen die Herausgabe ihrer Wertsachen. Um seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen, habe der Beschuldigte den Prostituierten gedroht, sie umzubringen und ihnen erzählt, er komme von der Mafia. Zudem soll er sie in mehreren Fällen geschlagen, getreten und gefesselt haben. Insgesamt seien auf diese Weise 7460 Euro, mehrere Handys und Schmuck erbeutet worden.
Am ersten Prozesstag gestand der Angeklagte lediglich, einen Zeugen in einem Bordell in Neuwied krankenhausreif geschlagen zu haben. Die von seinem Verteidiger dazu verlesene Erklärung mutete abenteuerlich an: Auf der Suche nach einer ehemaligen Lebensgefährtin - von dieser als Prostituierte arbeitenden Frau habe er noch eine größere Summe Geld erwartet - habe D. mehrere Callgirls angerufen sowie Clubs besucht, um seine ehemalige Freundin zu finden.
Gesichtsverletzungen
Als es in dem Neuwieder Bordell zu einem Streit und Handgreiflichkeiten gekommen sei, habe der Angeklagte in Panik den ihn attackierenden Clubbetreiber mit der Waffe an den Kopf geschlagen. Das Opfer soll so schwer wiegende Gesichtsverletzungen davongetragen haben, dass es auf der Intensivstation behandelt und in ein künstliches Koma versetzt werden musste.
Zu den Hauptvorwürfen äußerte sich der Beschuldigte bisher nicht. Auf die Spur des Täters waren die Ermittler durch eine Telefonüberwachung gekommen. Seit dem 18. Januar sitzt Mustafa D. in Untersuchungshaft. Der Prozess wird fortgesetzt.
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