Von Judith Jensen, 25.08.06, 18:39h, aktualisiert 28.08.06, 10:23h
Das Konzert gehört zum Begleitprogramm der aktuellen Wanderausstellung „Rock! Jugend und Musik in Deutschland“. Thorsten, 32, hat sich die Schau vor Konzertbeginn angesehen und ist beeindruckt: “Das Tolle ist, dass man alt genug ist, ein Teil davon zu sein. Als es den A-ha-Starschnitt gab, hey – da war ich jung.“
Um 20 Uhr starten dann Die Sterne mit „Alles sein Gutes“ von ihrer neuen Platte „Räuber und Gedärm“. Thorsten befürchtet, dass der Sterne-Funke nicht so recht aufs Publikum überspringen wird: „Bei der Band-Kombination ist das nicht zu erwarten.“ Doch auch wenn bereits viele Fans in den vorderen Reihen auf Revolverheld aus Hamburg warten, begeistern Die Sterne mit einem sympathischen Auftritt. Mit Humor und einer kleinen Choreografie zum Song „Aber andererseits“ sorgen die Mitbegründer der „Hamburger Schule“ für viele Lacher und gute Stimmung.
„Die geben alles“
Als Revolverheld auf die Bühne stürmen und es – synchron springend – mit dem Titel „Rockstar“ krachen lassen, ernten die selbst ernannten Vertreter der „Generation Rock“ vom älteren Publikum einige skeptische Blicke. Doch schon bald hört man auch in den hinteren Reihen anerkennende Kommentare: „Die sind jung und voller Elan, die geben alles.“
Zwar wirkt die Performance von Sänger Jo & Co etwas glatt und durchgestylt, doch der Spaß an der Sache ist ihnen deutlich anzusehen. Besonders wenn das Publikum die Texte ohne Unterstützung der Band singt. „Noch vor einem Jahr waren wir an sämtlichen Unis verstreut und haben für schreckliche Klausuren gelernt“, so der Frontmann. „Dann fing alles mit einem Song an: ‚Die Welt steht still’.“ Seither dreht sich die Welt für die Jungs immer schneller und – wie um Beweismaterial zu sammeln für das, was da gerade in ihrem Leben passiert – filmt Jo mit einer kleinen Videokamera die Fans von der Bühne aus.
Die Jungs von Revolverheld sind Weltmeister im Anheizen: Sie testen die Schrei- und Springfähigkeit der Fans, lassen sie gegeneinander singen. Die ganze Band übt sich im Synchronspringen mit dem Publikum. „Arme hoch, hallo, wir sind Rockstars“. Die Texte von „Arme hoch“, „Rock 'n' Roll“ oder „Generation Rock“ tun ihr Übriges zur Stimmung. Als Zugabe spielt die Band auf Barhockern den Akustik-Titel „Mit dir chill’n“, schmeißt Schlagzeugsticks und Handtuch in die Menge und verabschiedet sich mit einer La-Ola-Welle und Applaus für die Fans.
Generationenwechsel auf und vor der Bühne
Nach der Umbaupause tritt die Düsseldorfer Band „Fehlfarben“ vor das nun um 20 Jahre gealterte Publikum. Wippt dieses zunächst nur leicht und nickt mit dem Kopf im Takt, bringen die Altpunker es mit alten und neuen Songs schon bald zum Hüpfen und Headbangen.
Sänger Peter Hein, in Anzug und gelben Cowboystiefeln, hat sich die Playlist auf beide Unterarme geschrieben. Der darf das, er ist 49. Im Jahr 2000 ist die Punkband, die vor zwei Jahren ihren 25. Geburtstag feierte, wieder fast in Originalbesetzung zusammengekommen. Nach dem im Februar veröffentlichten Album „26 ½“, auf dem auch befreundete Künstler zu hören sind, soll es 2007 ein neues Studioalbum geben.
Chris, der eigentlich nur dezent von der Seite mitrocken wollte, packt endgültig die Luftgitarre aus: „Ich bin begeistert. Andere Bands haben es schwer, dagegen anzukommen.“ Und dann kommt noch einmal Frank Spilker von den Sternen auf die Bühne. Im Duett mit Peter Hein singt er „Schlaflos nachts“, ein Lied, das er schon für „26 ½“ eingesungen hat. Und gemeinsam tanzen sie in alter Punk-Manier den Pogo.
"Rock im Museum" wird in der Nacht vom 3. auf den 4. September (Sonntag auf Montag) um 00:30 – 2:30 im WDR-Fernsehen übertragen.
Die Ausstellung „Rock! Jugend und Musik in Deutschland“ ist noch bis zum 22. Oktober 2006 im Haus der Geschichte zu sehen. Der Eintritt ist frei.
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