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Skulpturen von Jedermann

Von Lisa Caspari, 03.09.06, 11:03h

Die eigenen Töchter als Bronze-Büsten auf dem Büroschreibtisch oder den verstorbenen Rauhaardackel in Echtgröße auf dem Wohnzimmerteppich - wer das will, der findet im Rheingau die richtige Adresse.

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Die Bildkombo zeigt ein Model (l.) und die lebensgroße Nachbildung der Firma "3D Culture" aus Oestrich-Winkel.
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Die Bildkombo zeigt ein Model (l.) und die lebensgroße Nachbildung der Firma "3D Culture" aus Oestrich-Winkel.
Oestrich-Winkel - Die eigenen Töchter als Bronze-Büsten auf dem Büroschreibtisch oder den verstorbenen Rauhaardackel in Echtgröße auf dem Wohnzimmerteppich - wer das will, der findet im Rheingau die richtige Adresse. Die Firma "3D Culture" aus Oestrich-Winkel erstellt per 3-D-Scanner originalgetreue Skulpturen von jedermann.

"Es ist die Evolution des Fotos", sagt Geschäftsführer Peter Brunsbach. "Mit unserem Scanner speichern wir die Daten von Menschen, Tieren oder auch von Bauwerken. Am Computer erstellt unser Mitarbeiter, ein so genannter digitaler Bildhauer, dann das 3-D-Bild und dieses wird schließlich zu einer Figur verarbeitet." Auf diese Weise, so Brunsbach, erhält man detailgetreue Ebenbilder.

"Gerade scannen wir zum Beispiel ein Pferd", verrät der 56-Jährige. Ein Pferdebesitzer aus dem Rheingau wolle seinen Araber-Hengst im Verhältnis 1:3,5 verewigen lassen. "So ein großes Tier von allen Seiten abzuscannen ist kompliziert", räumt Brunsbach ein. Deshalb übten seine Mitarbeiter gerade mit einem Pferd auf der örtlichen Koppel.

Die "neue Art der Kunst" bringe unendliche Möglichkeiten mit sich, verspricht der Unternehmer. Ein Autoliebhaber könnte sich eine Figur anfertigen lassen, bei der er selbst auf der Kopie seines geliebten Porsche sitzt. Und bei der Büste eines Vorstandsvorsitzenden kann auf dessen Wunsch natürlich auch das verhasste Doppelkinn kaschiert werden.

Brunsbachs Firma verwirklicht nicht nur außergewöhnliche Ideen, sie residiert auch individuell - und zwar im burmesischen Tempel vom hessischen Oestrich-Winkel. Dieser war vor 30 Jahren ursprünglich ein Geschenk der Regierung Burmas an einen Unternehmer im Rheingau. Brunsbach hat das Bauwerk schon seit einigen Jahren gepachtet. Er empfängt seine Kunden im eleganten Innenraum des in Braun- und Gelbtönen gehaltenen asiatischen Tempels.

Der 50 000 Euro teure Scanner steht in einem Hinterraum. In der Industrie werde die dreidimensionale Scan-Technik schon länger angewendet, erzählt Brunsbach. Auf die Idee, Menschen und Tiere damit zu erfassen, sei aber noch niemand gekommen. Eine gute halbe Stunde dauert der Scanvorgang, das "Objekt" sitzt dabei zumeist auf einem drehbaren Stuhl und muss stillhalten. "Wie beim Fotografen", sagt Brunsbach.

Der digitale Bildhauer braucht dann mehrere Stunden, um die Daten mit dem Computer zu einem 3-D-Gesamtbild zusammenzusetzen. Das Erstellen eines Abbildes in Gips per 3-D-Drucker dauert etwa einen Tag. Schicht für Schicht baut der Drucker die Gipsfigur auf. Ein Bildhauer bearbeitet die Skulptur im Nachhinein und bessert Feinheiten aus.

Eine solche Gipsstatue mit Sockel ist schon für 1600 Euro zu haben. Auf Wunsch wird die Figur auch bemalt oder vergoldet. Wenn das Motiv in Stein gefräst oder in Edelmetall gegossen werden soll, wird es teurer: Zwischen 8000 und 9000 Euro kostet eine Büste aus Marmor oder Eisen.

Brunsbach sieht für seine Idee auch im Denkmalschutz viel Potenzial. Im Wald Langenselbold habe man für das Landesdenkmalamt die 500 Jahre alte Mutter Gottes abgescannt, denn das Original wurde ins Rathaus verlegt. Die von Brunsbach und seinen Mitarbeitern erstellte Kopie steht nun im Wald. "Genauso könnte man auch Kopien von berühmten Denkmälern auf die Reise um die Welt schicken, oder deren Daten für die Nachwelt speichern", sagt Brunsbach.

Vor wenigen Monaten erst hat der 56-Jährige die Firma gegründet. Für die Zukunft schwebt dem geschäftstüchtigen Rheingauer bereits ein weltweites Franchise-System vor: Ausgebildete Mitarbeiter sollen mit ihrem eigenen Scanner im Koffer durch die Länder reisen und vor Ort Daten für interessierte Kunden aufnehmen. Die Weiterverarbeitung zu einer Skulptur würde dann in der "Zentrale" in Oestrich-Winkel erfolgen. (ddp)



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