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Eintritt nur mit Eins vor dem Komma

Von KERSTIN FOHRN, 12.09.06, 07:20h, aktualisiert 12.09.06, 09:14h

Viele wollen einen Studienplatz, aber nur die wenigsten wissen, was sich hinter „Medienwissenschaft“ genau verbirgt. Dabei ist sie das mit Abstand begehrteste Fach an der Kölner Universität.

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60 aus 2000 - das ist kein Lottospiel, sondern das Bewerbungsverfahren für den Diplom-Studiengang Medienwissenschaft an der Kölner Uni. Hier entscheidet nicht das Glück, sondern die Abiturnote.

Mit fast 2000 Bewerbern auf 60 Studienplätze ist Medienwissenschaft das begehrteste Fach in Köln. Rein kommt nur, wer die Hürde des Numerus clausus (NC) nimmt. Im kommenden Wintersemester mussten Abiturienten dafür einen Notendurchschnitt von 1,5 haben - bei Medienmanagement war sogar ein Schnitt von 1,3 gefragt. Und wer im Abitur so gut abgeschnitten hatte, musste sich trotzdem noch zwei Wartesemester vertreiben - beispielsweise mit Auslandsaufenthalten oder Praktika. Direkt von der Schule an die Uni kamen nur Bewerber mit einem Abischnitt von höchstens 1,4. „Der Medienbereich ist sehr begehrt“, sagt Ruth Zimmermann, Leiterin des Studierendensekretariats der Uni Köln.

Am Anfang der Bewerbung steht bei vielen derselbe vage Wunsch wie bei Isabell Ullrich: „Ich wollte irgendwas mit Medien machen.“ Die 20-Jährige ist eine der Glücklichen, die einen Studienplatz bekommen hat - inzwischen ist sie im dritten Semester. „Ich habe Medienwissenschaft gewählt, um durch das Studium zu erfahren, in welche Richtung ich gehen möchte.“ Als Schwerpunkte hat Ullrich Medienmanagement und Medienkulturwissenschaft gewählt. So verbindet sie wirtschaftliches Wissen mit Medientheorie und -geschichte.

Im Grundstudium müssen sich die späteren Medienmanager aber erst mal mit den allgemeinen Einführungsseminaren der Betriebswirte herumschlagen. „Man fängt zum Beispiel mit »Technik des betrieblichen Rechnungswesens« an“, erzählt Ullrich, „das hatte ich mir vorher anders vorgestellt.“ Erst im Hauptstudium sind die betriebswirtschaftlichen Seminare speziell auf die Anforderungen eines Medienunternehmens ausgerichtet.

Hinter dem Begriff „Medienkulturwissenschaft“ verbergen sich Seminare unterschiedlicher Institute der philosophischen Fakultät. Egal ob Germanistik, Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften oder Romanistik - wichtig ist nur, dass es einen Medienbezug gibt. Gelehrt wird zum Beispiel Kommunikationstheorie, aber auch Filmanalyse. „So viel Theorie hatte ich gar nicht erwartet“, sagt Ullrich, „aber inzwischen finde ich das richtig spannend.“

Wenn sie nach ihrer Zwischenprüfung ins Hauptstudium kommt, muss sie sich zusätzlich noch für ein Wahlpflichtfach entscheiden. Johannes Löbner, der seit acht Semestern die Kombination Medienmanagement und Medienpsychologie studiert, hat Wirtschafts- und Sozialpsychologie gewählt. „Über das Wahlpflichtfach habe ich meinen Schwerpunkt noch stärker auf Psychologie gesetzt“, sagt der 25-Jährige. Das zusätzliche Fach kann aber auch eine Erweiterung in eine ganz neue Richtung, wie zum Beispiel Politik, sein.

Wer beim Stichwort „Medien“ denkt, er lernt mit Kameras umzugehen, Zeitungsartikel zu schreiben oder Radiobeiträge zu erstellen, der ist in diesem Studiengang falsch aufgehoben. Praktische Erfahrungen müssen die Studenten größtenteils außerhalb der Universität machen. „Wir empfehlen dringend, während des Studiums Praktika zu machen“, sagt Tanja Weber, Ansprechpartnerin für Medienwissenschaften der Uni Köln. Nur so bestehe die Aussicht, nach dem Diplom einen Arbeitsplatz im Medienbusiness zu bekommen.

Die Absolventen qualifizieren sich je nach Schwerpunkt für Journalismus, Beratung, Organisation und Verwaltung in Medienunternehmen. „Von den Stellenangeboten ist der Arbeitsmarkt für Medienwissenschaftler schwer abzuschätzen“, sagt Dieter Böttcher, Berater im Hochschulteam der Agentur für Arbeit Köln. Die Zahl von 27 gemeldeten Stellen bundesweit sei sehr klein, aber viele Studenten finden durch Kontakte und Praktika einen Arbeitsplatz.

Medienwissenschaft bietet durch seine fächerübergreifende Lehre viele Möglichkeiten, sich für eine Berufsrichtung zu qualifizieren. Aber gerade am Anfang fehlt den meisten Studenten bei so vielen Wahlmöglichkeiten der Überblick, und sie fühlen sich etwas verloren. „Doch im Laufe des Studiums hat bei mir die Zufriedenheit zugenommen, und ich bin im Rückblick sehr glücklich mit dem Studiengang“, sagt Johannes Löbner.



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