Von MICHAEL AUST, 12.02.09, 13:22h
Was macht ein Publikum, wenn der Künstler befiehlt, dass es jubeln soll? Es reißt die Arme hoch und jubelt. Und wenn es, die Hände einmal oben, mit den Fingern von eins bis zehn zählen soll? Es zählt. „Das ist kein Kinderspiel, sondern ein Bela B.-Konzert“, schreit der Graf Zahl des Abends, auch wenn ihm die Einleitung des Abzähl-Songs „1, 2, 3“ gründlich ins Dadaistische missraten ist. Aber es ist ja auch die erste Solo-Tour für Bela B., den Schlagzeuger der Ärzte, die ihn am Donnerstag mit seiner Band „Los Helmstedt“ ins Kölner E-Werk führte.
Die Show ist das Ziel
Die Show ist das Ziel, wenn Bela B. auf der Bühne steht, und dafür braucht es eine gute Portion Größenwahn. Die Musik seines Soloalbums „Bingo“ ist da genauso Staffage wie der rote Kinovorhang, auf dem in goldenen Riesen-Lettern die Initialen „B.B.“ angebracht sind. Davor steht die Band, die bis auf ihren „Boss“ im Michael-Jackson-Gedächtnis-Anzug erschienen ist - schwarz, mit angetäuschter Krawatte und weißer Binde am Oberarm. „Spandaus größter lebender Rockstar aller Zeiten“ (Selbstbeschreibung Bela B.) legt los mit „Nimm die Gitarre runter“, einem klamaukigen Gitarrenbrett. Die Mädchen kreischen, der Zampano rockt. Und die Jungs mit den Totenkopf-Shirts, die schon mit Songs wie „666 Ways to Die“ von der Vorband „The Other“ zufriedengestellt worden waren, schunkelten gutgelaunt mit.
Was folgte, waren Western-Songs über Blutsauger („Der Vampir mit dem Colt“), elegische Vanitas-Balladen („Der letzte Tag“) und die ironiefreie Rückkehr des Gitarrensolos auf die Bühne. Dass der Ärzte-Schlagzeuger auch politisch korrekt ist, macht sein Song „Deutsche, kauft nicht bei Nazis“ deutlich: ein gutgemeinter und schneller Punkrock-Song, der - wie B. in einer seiner überlangen Zwischenmoderationen bekanntgab - „für umsonst“ auf der Homepage des Künstlers zu haben ist.
Wille zum Glamour
Und über allem schwebt der Wille zum Glamour. Während im Laufe des Abends immer mehr BHs auf der Bühne landen, legt auch „Big Boss“ Bela nach und nach ab: zwar nicht die Gitarre, dafür seine Oberbekleidung. Am Ende steht der Zampano im Muskelshirt da und zeigt seine Tattoos. Eines davon porträtiert Homer Simpson, Bela Bs Lieblings-Comic-Held und „die beste Darstellung der Tragik des menschlichen Lebens“, wie B. einmal der „Zeit“ verriet. Sein Traum sei, sagte er damals, einmal mit den Ärzten in einer Simpsons-Folge aufzutreten. In Köln arbeitete B. an seiner eigenen Parodie. „Da simmer dabei, das ist Bela, Bela ist prima“ singsangte der Künstler einmal zwischen zwei Songs. Und was macht das Publikum? Natürlich, es jubelt.
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