Von KERSTIN MEIER, 26.09.06, 07:49h, aktualisiert 26.09.06, 17:00h
Trotzdem brauchen die Studenten in Zukunft mehr Geld, denn beinahe alle Unis in Nordrhein-Westfalen verlangen jetzt 500 Euro Studiengebühren pro Semester. Wer am Ende seines Studiums nicht mit Schulden dastehen will, muss also ein paar Extraschichten schieben. Aber die Flaute auf dem Arbeitsmarkt spüren auch die Studenten: „Es wird immer schwieriger, einen Job zu finden“, sagt Teppe.
Leicht ist es also auf keinen Fall, Studium und Arbeit gleichzeitig zu managen. Trotzdem hat ein guter Studentenjob auch viele Vorteile. „Ich kann mir gar nicht vorstellen, nicht zu arbeiten“, sagt Mihau Knoll, „ich sehe das auch als eine Art Ausgleich - gerade in der Prüfungsphase. Wenn ich nur in der Bibliothek sitze, werde ich bekloppt.“ Der 25-Jährige studiert Theater- Film und Fernsehwissenschaften im Hauptfach und schreibt gerade seine Magisterarbeit. Mindestens 20 Stunden in der Woche arbeitet er im Archiv einer TV-Produktionsfirma, „mit den Wochenenden wird es aber auch schnell mehr“. So finanziert sich der 25-Jährige sein Leben - er kriegt weder Geld von seinen Eltern noch Bafög. Gerade diese Eigenständigkeit gefällt ihm aber: „Für mich ist es ein Luxus, unabhängig zu sein.“ Der einzige Nachteil: „Ein unbezahltes Praktikum kann ich mir nicht leisten.“
Luise Barczewski macht gerade ein unbezahltes Praktikum - in einem Buchverlag. Am Wochenende jobbt die Medienwissenschafts-Studentin noch in einer Buchhandlung. Trotzdem wird das Geld langsam knapp, und im nächsten Semester wird es noch enger: Dann läuft nämlich noch ihr Bafög aus. „Das ist schon blöd, dass das ausgerechnet während meiner Magisterarbeit passiert“, sagt die 31-Jährige. Vor ihrem Studium hat sie eine Ausbildung zur Buchhändlerin gemacht. Nicht nur deshalb fühlt sie sich in ihrem Nebenjob wohl: „Ich kriege die ganzen Bücher billiger. Außerdem stoße ich im Laden auch immer auf interessante Fachliteratur.“ Durch das Jonglieren zwischen Arbeit und Studium hat sie viel gelernt, findet Luise Barczewski: „Ohne gute Selbst-Organisation ist das gar nicht zu schaffen.“ Als sie einen Job gesucht hat, hat sie einfach eine Initiativ-Bewerbung geschrieben: „Sicher hat es geholfen, dass ich Berufserfahrung hatte.“
Die klassische Bewerbung ist natürlich immer noch ein guter Weg. Aber je enger es auf dem Arbeitsmarkt wird, desto mehr läuft auch bei Nebenjobs über Kontakte. Mihau Knoll hat seinen Job in der Produktionsfirma über einen Bekannten bekommen. Und auch bei Sarah Schach waren Beziehungen im Spiel: „Mein Vater hat mit dem Chef hier zusammen in einer Band gespielt.“ Die 23-Jährige arbeitet seit kurzem als Küchenhilfe in einem kleinen Bistro. Berufserfahrung sammelt sie beim Kartoffelschälen zwar nicht. Dafür hat der Job andere Vorteile: „Ich kann hier essen, so viel ich mag. Alle Kollegen haben zugenommen, seit sie hier arbeiten.“ Zwei Tage in der Woche schneidet sie jetzt Gemüse und spült Geschirr, statt im Hörsaal zu sitzen. Gerade fängt sie ein Studium zur Diplom-Designerin an. „Im Moment sind Einführungswochen, und es ist schon enorm stressig, das mit dem Job zu vereinbaren.“ Nach dem Grundstudium hofft sie, vielleicht einen Job zu finden, in dem sie mit Design zu tun hat. Doch selbst wenig qualifizierte Studentenjobs können eine gute Vorbereitung für den Arbeitsmarkt sein, findet Rolf Lachmann von der Agentur für Arbeit: „Auch beim Kellnern lernt man Dinge wie Verbindlichkeit, Belastbarkeit, Zuverlässigkeit und den freundlichen Umgang mit Kunden.“
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