Von PETER HAHNE, 26.09.06, 07:00h
Berlin - Das Klischee vom angeblich arbeitsscheuen deutschen Arbeitnehmer bedarf einer Korrektur. Nach Berechnungen des EU-Forschungsinstituts EIRO in Dublin arbeiten die Beschäftigten in Deutschland im Durchschnitt tatsächlich mehr Wochenstunden als die Arbeitnehmer in den meisten anderen europäischen Ländern der EU-25. Zwar liegen die tariflich vereinbarten Wochenstunden in der Bundesrepublik mit 37,7 Stunden am unteren Rand. Doch die tatsächliche Wochenarbeitszeit liegt hierzulande mit durchschnittlich 42,3 Stunden mit an der Spitze.
Fünf Stunden unentgeltlich
Mehr als die Deutschen arbeiten nur die Litauer (43,7 Wochenstunden), Slowenen (43,3), Griechen (43,3), Österreicher (42,9) und die Polen (42,6). Die Deutschen haben damit fast fünf Stunden pro Woche unentgeltlich mehr gearbeitet als in den Tarifverträgen vereinbart. Die Beschäftigten in den alten EU-Ländern arbeiten im Schnitt 40,8 Stunden pro Woche - und damit 1,5 Stunden weniger als die Deutschen. Briten, Iren, Italiener, Spanier und Franzosen - sie alle arbeiten, trotz teils höherer tariflicher Wochenarbeitszeiten, faktisch alle weniger als die deutschen Arbeitnehmer.
Bemerkenswert gut indes geht es laut EIRO den westdeutschen Metallern. Sie arbeiten mit 35 Wochenstunden in der gesamten EU am wenigsten. Die Kategorie „Freizeitweltmeister“ trifft auf die Deutschen in einer anderen Hinsicht aber tatsächlich zu. Sie arbeiten zwar viel, gleichen das aber durch Mehrurlaub aus. Wirft man einen Blick auf die jährlichen Urlaubszeiten, nehmen die Deutschen nach wie vor einen Spitzenplatz ein. Spitzenreiter sind die Schweden, mit im Schnitt 33 Tage bezahlten Urlaub. Es folgen die Deutschen und Dänen mit 30 Tagen.
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