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Traum von einer besseren Welt

Von BERT GERHARDS, 07.10.06, 09:40h

Globalisierungsgegner sind oft in der Kritik. Es reiche nicht, nur Probleme aufzuzeigen, ohne Lösungsvorschläge zu haben. Dem tritt nun Christian Felber mit seinem Buch „50 Vorschläge für eine gerechtere Welt“ entgegen.

Bild: Holubovsky
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Für eine bessere Welt unterwegs: Attac-Anhänger auf einer Großdemonstration in Köln im Jahr 2002
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Für eine bessere Welt unterwegs: Attac-Anhänger auf einer Großdemonstration in Köln im Jahr 2002
Wenn die Globalisierungsgegner von Attac auf die Straße gehen, kommen oft nur schlichte Parolen zum Ausdruck, die mit dem Vorwurf pariert werden, nur dagegen zu sein, sei arg simpel. Es reiche nicht, nur Probleme aufzuzeigen, wenn man keine Lösungsvorschläge habe. Dem tritt nun Christian Felber mit seinem Buch „50 Vorschläge für eine gerechtere Welt“ entgegen.

Der Mitbegründer von Attac Österreich präsentiert 50 konkrete Alternativen zu neoliberalen Strategien der Globalisierung und Ökonomisierung des Lebens. Seine Lösungsmodelle reichen von der Neugestaltung der Finanzmärkte und des Welthandels bis hin zu allgemein verbindlichen Regeln für Konzerne und Standortkooperationen. Viel Neues findet sich darin nicht, wohl aber entwirft Felber ein nachvollziehbares, nahezu geschlossenes Konzept einer politisch gezähmten und demokratisch kontrollierten Weltwirtschaft. Und damit auch ein neues Gesellschaftsmodell.

Der Autor scheut sich nicht vor Überspitzung und attackiert mit Lust. „Die Macher der Globalisierung sind schamlos und frech, und sie bedienen sich pseudoreligiöser Legitimationsinstrumente, die ihre Interessen verschleiern“, legt Felber gleich zu Beginn los. Sein Feindbild ist klar umrissen: Es sind jene Spekulanten, die sich des neoliberalen Welthandels bedienen, zugunsten enormer kurzfristiger Renditen anderer Menschen Not und Elend und letztlich sogar einen zerstörten Planeten in Kauf nehmen.

Felber plädiert dagegen für eine Wirtschaft, die den Menschen und dem Gemeinwohl dient. „Sie muss zurückkehren in den Schoß der Gesellschaft und der Demokratie.“ Statt Wachstum und Profit müssten die Ziele „umfassende Demokratisierung, soziale Sicherheit und Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit, Achtung der Menschenrechte, kulturelle und regionale Vielfalt, echte Globalität des Geistes und der Solidarität“ sein.

So „pseudoreligiös“ die nun klingt, so konkret bescheibt Felber nun in seinen 50 Vorschlägen, wie diese Ziele erreicht werden sollen. Zum Beispiel mit der seit Jahren von Attac propagierten „Tobinsteuer“, die die Verschiebung von Spekulationsgewinnen unterbinden soll. Oder mit einer völligen Entschuldung der Dritten Welt, was als ein Konjunkturmotor für die komplette Weltwirtschaft werden könnte.

Nach seiner grundlegenden Kapitalismuskritik plädiert Felber dafür, die Gestaltung unseres Zusammenlebens aktiv in die Hand zu nehmen und die Spielregeln neu zu schreiben. Dass dies in der heutigen Zeit nicht mehr in der Macht nationaler Politik steht, führt ihn zu den Forderungen nach internationaler Kooperation und einer Stärkung der UN. Aber ebenso zum Wunsch nach mehr demokratischer Kontrolle.

„Wenn alle die, die nichts tun, weil sie glauben, nichts bewirken zu können, sich politisch beteiligen, dann haben wir schon morgen eine andere Welt“, schließt Felber. Der Autor, der sich mutig eine andere Welt erträumt, ist ein menschenfreundlicher Utopist.

Christian Felber: „50 Vorschläge für eine gerechtere Welt“. Deuticke, 336 Seiten, 19,90 Euro.



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