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„Wir sind nicht gut genug“

Von HELMUT FRANGENBERG, 14.10.06, 07:15h, aktualisiert 14.10.06, 10:12h

Die Unternehmensberatung Roland Berger hat Vorschläge für eine effizientere Betreuung von Langzeitarbeitslosen gemacht. Einige von ihnen werden bereits in einem Modellprojekt der Kölner „Arge“, der Arbeitsgemeinschaft von Stadt und Arbeitsagentur, erprobt.

Die Unternehmensberatung Roland Berger hat Vorschläge für eine effizientere Betreuung von Langzeitarbeitslosen gemacht. Einige von ihnen werden bereits in einem Modellprojekt der Kölner „Arge“, der Arbeitsgemeinschaft von Stadt und Arbeitsagentur, erprobt.

„Wir sind nicht gut genug“, sagt „Arge“-Chefin Birgit Jung. Deshalb habe man die renommierte Unternehmensberatung um Unterstützung gebeten. „Sie begleitet uns einen Teil des Weges.“ Roland Berger hat vor der Kölner „Arge“ bereits sieben andere beraten, darunter die in München und Berlin-Neukölln.

Die Kölner Entscheidung findet nicht nur Beifall. Das „Erwerbslosen Forum Deutschland“ befürchtet gar den Abschied vom sozialpolitischen Auftrag der Arbeitsverwaltung und den Umbau des Sozialsystems zu einem „erfolgsorientierten Wirtschaftssystem“. Jung wies die Kritik zurück. Es gehe darum, Arbeitsabläufe zu verbessern, damit mehr Zeit zur Aktivierung und Vermittlung von Arbeitslosen bleibe.

Ein Kernproblem: Zurzeit muss noch zu viel Zeit aufgebracht werden, um Fragen zum Arbeitslosengeld II zu beantworten. Bergers Unternehmensberater schlagen vor, diese Probleme gleich im Eingangsbereich der Arbeitsagentur oder gar mit einer Hotline am Telefon zu behandeln. Die eigentlichen Fallmanager, Betreuer und Vermittler sollen sich nur noch mit der Integration in den Arbeitsmarkt beschäftigen.

Zurzeit gebe es kein einheitliches Vorgehen der Vermittler im Umgang mit den Arbeitslosen, die Gespräche würden „ohne klare Zielorientierung und mit fehlender Verbindlichkeit“ geführt, diagnostiziert die Unternehmensberatung in einem Thesenpapier. Die Unternehmensberater möchten, dass ein „Arge“-Mitarbeiter, der für die Vermittlung zuständig ist, zielgerichteter arbeiten kann. In ihrem Deutsch heißt das dann: Er solle den „Prozess der Bestandsaktivierung selbst steuern“, damit er „Treiber statt Getriebener“ ist.

Die Aussage sorgt genauso für Wirbel wie die Klassifizierung der Arbeitslosen in verschiedene Gruppen, denen Prioritäten zugeordnet werden. Die Berger-Berater wollen, dass sich die Kölner „Arge“ vor allem um Menschen mit Ausbildung zwischen 25 und 40 Jahre kümmern soll. Sie sollen mindestens alle drei Monate zu Gesprächen eingeladen werden, 40- bis 55-Jährige mit Ausbildung alle vier Monate, „Sonstige“ - also alle Älteren sowie alle ohne Ausbildung - nur alle sechs Monate. Außerdem fordern die Berater, dass alle „Arge“-Mitarbeiter, die ihre Gespräche in Zukunft nach einem klaren Kriterienkatalog führen sollen, Meldeverstöße von Arbeitslosen konsequent ahnden sollen. Das „Erwerbslosen Forum“ sieht damit die „Treibjagdsaison auf Hartz-IV-Betroffene eröffnet“.

Jung betont, dass die Einteilung der Arbeitslosen in verschiedene Gruppen nur ein Vorschlag der Unternehmensberater sei. Sie verspricht: „Wir werden niemanden ausgrenzen und weiter versuchen, allen passgenaue Hilfe anzubieten.“

Die mangelnde Effizienz der Kölner „Arge“ hatte zuletzt auf Stadt- und Landesebene für politische Diskussionen gesorgt. Eine nicht unumstrittene Studie der Landesstelle der Bundesagentur für Arbeit hatte Köln schlechte Noten in einem Städtevergleich gegeben.



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