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„Shortbus”: Ein Club in Manhatten

Von OLIVER RAHAYEL, 19.10.06, 11:27h, aktualisiert 19.10.06, 12:02h

Mit seinem Film hat John Cameron Mitchell in den USA einiges Aufsehen erregt. Doch nach seinen eigenen Worten verwendet der Regisseur den Sex wie das Musical die Musik: als Ausdrucksform für die Gefühle der Figuren.

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In "Shortbus" geht es stellungstechnisch zur Sache.
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In "Shortbus" geht es stellungstechnisch zur Sache.
In den USA hat dieser Film einiges Aufsehen erregt: Zum einen wegen seiner sehr expliziten Sexszenen, die ihm auf vorhersehbare Weise den Vorwurf der Pornographie eingehandelt haben. Zum anderen aber auch aufgrund seiner sensiblen und hautnahen Darstellung junger Menschen im heutigen New York.

Jede einzelne Figur hat ihre ganz eigenen Probleme, und diese drücken sich vorrangig in ihrer Einstellung zur Sexualität aus. Nicht zu Erotik und Liebe - darüber, sagt der Regisseur John Cameron Mitchell zu Recht, gebe es schon allzu viele Filme. Alle Fäden der Handlung verweben sich in einem Club in Manhattan, der mit seiner antizyklischen Freizügigkeit an die Salons etwa einer Gertrude Stein angelehnt ist.

Für „Shortbus“, seinen zweiten Film nach dem schrägen Rockmusical „Hedwig and the Angry Inch“, hat Mitchell mehr als zwei Jahre lang mit New Yorker Laiendarstellern geprobt und improvisiert, die sich im Film überwiegend selbst spielen. Das Ergebnis ist von einer seltenen Unmittelbarkeit, zumal viele der Nachwuchsschauspieler ganz unbefangen agieren und die Selbstdarstellung sogar zu genießen scheinen. Nach seinen eigenen Worten verwendet Mitchell den Sex wie das Musical die Musik: als Ausdrucksform für die Gefühle der Figuren.

Tatsächlich dienen selbst die explizitesten Szenen ausschließlich der Illustration von Haltungen und Lebensweisen. Mitchell geht hier visuell noch ein wenig weiter als etwa „Romance“, „Baise-moi - Fick mich“ oder „Intimacy“ und erfüllt rein rechtlich wohl den Tatbestand der Pornographie. Aber anders als die genannten Filme oder echte Pornos vermeidet Mitchell jeden Versuch, Erregung, ja Erotik zu erzeugen. Es geht ihm allein darum, Blockaden auf sexuellem Gebiet zu zeigen, die wiederum auf psychische Verwirrungen hinweisen sollen.

Dass Manhattan nach wie vor ein Traumland ist, in dem alles möglich ist, zeigt Mitchell anhand einer aufwändigen, bunten Pappkulisse, über die die Kamera immer wieder hinwegfliegt. Dass New York, jene liberale Insel, schwer gezeichnet ist, bedarf indes kaum noch eines Hinweises. Daher beschränkt sich Mitchell auf Andeutungen. Ein Kondom steht für Aids und ein kleiner böser Satz für 9 / 11: „Wenn du dich vor Ground Zero fotografieren lässt, lächelst du dann?“



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