Von STEFAN SAUER, 24.10.06, 09:21h
Die Analyse basiert auf Daten, die Professor Janet Schofield von der Universität Pittsburgh in den USA gesammelt hat. So seien für Lernerfolge von Schülern aus Migrantengruppen und solchen mit sozial und wirtschaftlich benachteiligten Elternhäusern drei Faktoren ausschlaggebend. Erstens die gefühlte Zugehörigkeit zu einer Gruppe, der stereotyp Leistungsschwäche unterstellt wird. Eine Rolle spielt auch die Erwartung der Schüler, von Lehrern solchen Stereotypen zugeordnet zu werden - unabhängig davon, ob diese so verfahren oder nicht.
„Die Erwartung der Schüler an das, was die Lehrer ihnen zutrauen, beeinflusst die Leistungen spürbar“, sagte Amelie Mummendey, Professorin für Sozialpsychologie an der Uni Jena. Je stärker solche Stereotypen ausgeprägt sind, desto schlechter fallen die Lern-Ergebnisse aus - und zwar ganz unabhängig von den Fähigkeiten des Einzelnen.
Zweitens beeinflussen Lehrer mit ihren Annahmen über das Leistungsvermögen der Klassen das Lern-Niveau wesentlich mit. Je geringer ihre Anforderungen, desto schlechter sind die Ergebnisse. Oder umgekehrt: Schüler aus unteren sozialen Schichten und mit Migrationshintergrund profitieren von hohen Anforderungen, weil Lehrer damit Vertrauen in deren Leistungsfähigkeit ausdrücken.
Drittens werden geringes Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit und geringe Leistungsanforderungen in Klassen und Schulformen verstärkt, in denen die Problemgruppen „unter sich“ bleiben. Paradebeispiel ist die Hauptschule. Etliche Studien zeigten, dass in gemischten Klassen mit Schülern aller Leistungsniveaus besonders die zuvor Benachteiligten profitierten, ohne das die Leistungsstarken beeinträchtigt würden. Die Wissenschaftler regen daher entsprechend geänderte Aus- und Weiterbildung für Lehrer sowie ein Zusammenführen des dreigliedrigen Schulsystems bis zur zehnten Klasse an.
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