Von BRITTA HAVLICEK, 25.10.06, 07:12h
Frechen - Sonnenlicht scheint durch die großen Hallenfenster, die sich im Glas vor den Schwarz-Weiß-Fotografien spiegeln. Der Künstler Jochen Reincke ist nicht wirklich erfreut darüber. Doch den Besuchern der Alten Werkstatt der Grube Carl bietet sich so für einige Minuten die Gelegenheit, die Industriearchitektur der jüngsten Frechener Vergangenheit im Wechselspiel mit den Reflexionen der erhaltenen Hallenfenster zu erleben. Denn die Fotografien zeigen Details der Brikettfabrik im Oktober 2002, als noch vieles vom ehemaligen Betrieb in den Werkshallen zeugte.
Der Fotograf Jochen Reincke ist einer von drei Künstlern, die derzeit in der Werkstatt der Grube Carl in Frechen ausstellen. Als Fremder war er damals in Frechen zu Besuch und entdeckte die stillgelegte Brikettfabrik als reizvolles Motiv für seine Fotografie. Obwohl der Betrieb damals längst eingestellt war, hat der Künstle das Leben der Fabrik festgehalten, Zeichen, die von Arbeit zeugen, wie handgeschriebene Schilder, oder auch die Kreideschrift auf einer Metalltür „Schicht Schmitz“.
Wie die Fotografien Reinckes passen auch die Arbeiten von Marion Menzel und Utta Decker sehr gut in das industrielle Ambiente des hellen Raumes. 50 Arbeitshandschuhe sind in der Mitte des Raumes ausgelegt, in einer Reihe, mit einer harten, schroffen Schicht aus verleimtem schwarzen Tee umgeben. „Getan“ heißt die Installation treffend. Die abgelegten Handschuhe der Arbeiter gehören der Vergangenheit an, hier ist die letzte Arbeit erledigt. Wie Menzel dem Tee-Oberflächenmaterial durch Leim Bestand verleiht, scheinen auch die Arbeitshandschuhe dauerhafte Zeitzeugen zu sein, die, scheinbar achtlos hingeworfen, den fleißigen Geist der Arbeiter und den emsigen Betrieb der Maschinen festhalten.
Eine Erinnerung an die Fabrik hat auch die Frechenerin Utta Decker mit ihren Zeichnungen geschaffen. Ihren Zyklus aus 30 Tuschezeichnungen hat sie - ähnlich wie der Fotograf Jochen Reincke - zunächst im Geheimen geschaffen. Auch sie hatte sich früher heimlich in die brach liegende Fabrik geschlichen, allerdings mit Zeichenbrett, Papier, Tuschefässern „und immer einem Handy“, erklärte sie, „weil ich Angst hatte, dass mir hier etwas passieren könnte.“ Die Kraft der Turbinen, die Ausmaße von technischen Details wie Federn, Staubrohre oder Antriebsräder, ganze Anlagen und auch das ästhetisch wirkende Zusammenspiel von Maschinen und Architektur hat sie festgehalten - mit Rohrfeder und Sepiatinte, was das hohe Alter der Motive farblich unterstreicht.
Die Ausstellung bietet eine tolle Gelegenheit, den Industriecharme und die Betriebsamkeit der ehemaligen Brikettfabrik noch einmal neu zu erleben.
Die Werke sind noch bis zum 11. November in der Alten Werkstatt der Grube Carl, Von-Klespe-Straße 1, in Frechen zu sehen. Die Räume sind donnerstags, freitags und samstags von 16 bis 19 Uhr und sonntags von 11 bis 16 Uhr geöffnet.
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