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Der Libanon wankt

Von TOBIAS KAUFMANN, 03.11.06, 07:00h

US-Regierungskreise warnten, Syrien und der Iran bereiteten mit Hilfe der Hisbollah einen Umsturz im Libanon vor. Militärexperten sehen die Entwicklung derweil mit großer Sorge.

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Eine Frau wirft Reis auf libanesische Soldaten.
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Eine Frau wirft Reis auf libanesische Soldaten.
Unter dem Druck der Schiitenmiliz drohen die Hoffnungen der „Zedernrevolution“ zerrieben zu werden.

Köln - Die Bilder der Hoffnung sind verblichen. Im März 2005 gaben Fotos von strahlenden jungen Frauen mit Fähnchen der „Zedernrevolution“ gegen die syrische Besatzung des Libanon ein Gesicht. Am Ende mussten die Syrer klein beigeben und abziehen. Doch der Traum eines freien Libanon ist heute wieder weit von der Realität entfernt. Der Mann, der die Bilder und die Schlagzeilen aus dem Libanon bestimmt, heißt Hassan Nasrallah. Der Chef der von Syrien und dem Iran unterstützten Schiitenmiliz Hisbollah setzt die pro-westliche Regierung von Ministerpräsident Siniora unter Druck.

Bis Mitte November erwartet die Hisbollah ein Drittel der Sitze und damit eine Sperrminorität im Kabinett. Ansonsten werde die Miliz „ihr demokratisches Recht auf der Straße zum Ausdruck bringen“ - eine verkappte Drohung vor einem Bürgerkrieg. Die arabische Zeitung „Dar al Hayat“ orakelte am Donnerstag düster: „Ist es nicht das, was die Taliban mit der Regierung Karsai und die Gruppe von El Sarkawi im Irak mit der Regierung El Maliki machen? Warum sollte die Hisbollah eine Ausnahme sein?“

Eigentlich hatte die UN-Resolution 1701, die den Krieg zwischen Israel und der Miliz im August beendete, den Einfluss der islamistischen Hisbollah brechen sollen. Stattdessen brüstet sich Nasrallah, dass seine Miliz ihr Raketenarsenal unter den Augen der Schutztruppe Unifil inzwischen auf 30 000 Stück ausgebaut habe. Weder hat die Hisbollah ihre Waffen an die libanesische Armee übergeben, noch wurde der Waffenschmuggel gestoppt. Die syrisch-libanesische Grenze ist nach wie vor für alles durchlässig, was der Hisbollah nützen könnte.

Die Gefahr für Israel, die mit der UN-Resolution gebannt werden sollte, bleibt bestehen - und damit auch die Verletzung des libanesischen Luftraums durch Israel, das auf seinem Recht beharrt, den Schmuggel mit Aufklärungsflügen zu dokumentieren. Die Unifil, die bisher erst die Hälfte ihrer geplanten Stärke erreicht hat, ist machtlos. „Wir sind hier, um hier zu sein“, zitierte „Spiegel Online“ einen spanischen Soldaten, der im Südlibanon stationiert ist. Gefechte mit der Hisbollah gab es bisher nicht, und bei Nacht traue sich die Truppe ohnehin nicht in das unbekannte Gelände.

Militärexperten sehen die Entwicklung mit großer Sorge. Ely Karmon vom renommierten Institut für Antiterrorstudien im israelischen Herzlija sagte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“: „Nur wenn alle antisyrischen Kräfte im Land zusammenhalten, können sie verhindern, dass der Libanon weiter destabilisiert wird.“ Das Horrorszenario wäre ein instabiler Staat, in dem die Hisbollah unbehelligt Terror gegen Israel, aber auch gegen missliebige Libanesen ausführen könnte. Schon jetzt warnt Karmon, dass Attentate auf Politiker eine Taktik der Hisbollah sein könnten. Selbst Ministerpräsident Siniora ist bedroht.

US-Regierungskreise haben am Mittwoch davor gewarnt, Syrien und der Iran bereiteten mit Hilfe der Hisbollah einen Umsturz im Libanon vor. Die öffentliche Beschuldigung soll Syrien unter Druck setzen. Aber sie zeigt auch, dass der Westen der Entwicklung derzeit eher hilflos zusieht - obwohl 6000 UN-Soldaten im Zedernstaat patrouillieren.



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