Von MICHAEL AUST, 10.11.06, 07:07h
Er war genau so, wie man ihn aus dem Fernsehen kennt. Als ein mutiger Frager dem Gast des Abends nach dessen Vortrag die erste Frage stellte, fiel der ihm gleich mal ins Wort. „Ich bin Michel Friedman, wie heißen Sie?“ Der TV-Moderator, Ex-Politiker und Rechtsanwalt Friedman war am Mittwochabend in der Kölner Wolkenburg in seinem Element. Und dieses Element heißt Streit. Das Machtspiel zwischen Politik und Medien war das Thema, zu dem der Fachbereich Medienwirtschaft der Rheinischen Fachhochschule Michel Friedman geladen hatte. Eine gute Wahl, denn kaum ein Journalist in Deutschland steht wohl so für Streit und Respektlosigkeit wie Friedmann - und ist gleichzeitig so umstritten. Legendär war seine Interview-Show „Friedman“, in der der Moderator seinen Gästen regelmäßig ins Wort fiel. Als Friedman vor drei Jahren nach seinem Kokain-und-Prostitutions-Skandal von allen öffentlichen Ämtern zurücktrat, war es kurzzeitig ruhig geworden um den Rechtsanwalt und ehemaligen CDU-Bundesvorstand. Damals hatte er öffentlich erklärt, „einen Fehler gemacht zu haben“, und um eine „zweite Chance“ gebeten. Nach einem Intermezzo beim Pay-TV-Sender „13th Street“ war Friedman dann schon im Oktober 2004 zurück im Free-TV, wo er seitdem eine wöchentliche Talkshow auf N24 moderiert.
„Der deutsche Journalismus hat immer noch Angst davor, meinungsfreudig zu sein“, geht Friedman in Köln in die Vollen. „Er ist verkrustet, langweilig und extrem autoritätshörig.“ Besonders lächerlich seien die höfischen Rituale, mit denen manche Journalisten um den Zugang zur Macht buhlten. „Das Bewusstsein, dazuzugehören, Meinungsmacher zu sein, ist eine unglaubliche Droge.“ Eine Droge, die offensichtlich die Kritik abstumpfe. Es sei ein Unding, dass Amtspersonen in deutschen Talksendungen immer noch mit „Herr Minister“ oder „Frau Bundeskanzler“ angeredet werden. „Bereits in der Ansprache ist eine Suggestion der Macht, vor der ich nur warnen kann.“ Friedman plädierte vor den 350 Studenten für Provokation und Respektlosigkeit gegenüber der Politik. Seine eigene Sendung habe er an das BBC-Format „Hard Talk“ angelehnt - eine Sendung, in der der Moderator einem ausweichenden Politiker schon mal 19-mal nacheinander dieselbe Frage stellt.
Genauso hart wie mit den TV-Kollegen ging Friedman mit den Printmedien ins Gericht. Die hierzulande übliche Praxis, Interviewpartnern den Text zur Autorisierung vorzulegen, sei eine der Schwächen des deutschen Journalismus. „Was für ein Selbstverständnis steckt dahinter? Wir sind keine Bittsteller als Journalisten, sondern Anwälte des Bürgers.“ Als der eloquente Mann geendet hat und ihn kritische Frager auf den notwendigen Respekt vor Gesprächspartnern hinwiesen, hatte Friedman seinen Spaß. „Sie haben es hier mit einem Unruhestifter zu tun“, bekannte er freudig. „Ich bin ein Mensch, der Fragezeichen liebt und den Ausrufezeichen misstraut!“ Ein Satz mit einem Ausrufezeichen.
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