Von INGEBORG SCHWENKE-RUNKEL, 17.11.06, 17:40h, aktualisiert 19.11.06, 16:14h
Zum bundesweiten Vorlesetag „Große für Kleine“, den die „Zeit“ gemeinsam mit der Stiftung Lesen vor drei Jahren ins Leben gerufen hat, nahm sie zur ersten Stunde im Ohrensessel in der Schulbibliothek Platz - Bücherregale voller „Stoff“ neben und erwartungsvolle Schülerinnen und Schüler vor sich.
Die Ministerin für Wirtschaft, Mittelstand und Energie des Landes NRW - so der offizielle Titel -, hatte sich für die 7 a „Eine Weihnachtsgeschichte“ von Charles Dickens ausgesucht. Dafür bekam sie nicht nur heftigen Beifall zum Schluss, einen üppigen Blumenstrauß und eine Erinnerungsmappe mit Geschichten und Zeichnungen rund ums Lesen von jedem Schüler, sie erhielt auch ein ganz spezielles Lob von Sarah: „Das war so ein schönes Gefühl, schon ein bisschen als erwachsen eingestuft zu werden.“ Denn Christa Thoben las kein Kinderbuch.
Lieblingsautoren, das erfuhren die Jugendlichen in der Fragerrunde, hat die Ministerin nicht. Sie mag viele Schriftsteller. Theodor Fontane, zum Beispiel. „Der Stechlin“ meinte sie, passe gut in die heutige Zeit und sei für die Politik nicht zu unterschätzen: „Heute ist auch so vieles im Umbruch, wie damals in der Mitte des 19. Jahrhunderts.“
Keinen Lieblingsautor, wohl aber ein Lieblingsbuch nannte die 65-Jährige: „Puh, der Bär“. Dem kleinen Sohn ihres Patenkindes hat sie daraus häufiger vorgelesen. Er hatte ihr einen Zettel mit auf den Weg nach Leverkusen gegeben. „Mach's gut - für mich“, stand da drauf. Sie machte es gut. Und während sie sich in der gemütlichen Bibliothek den von Schülermüttern gebackenen Apfelkuchen schmecken ließ, bevor sie zum Branchentreff „ChemCologne“ ins BayKomm aufbrach, wartetet ihr Fahrer im Auto - und las. Allerdings nicht, wie in der ganzen Republik mehr als 2000 prominente und weniger prominente Vertreter aus Medien, Politik, Kultur und Wirtschaft für Kleine in Schulen und Kindergärten, sondern für sich selbst.
Manfred Pulm, der Lise-Schulleiter, und Manfred Gottschalk, der Buchhandler, gehörten ebenfalls zu den Vorlesen in der Stadt, und auch der Oberbürgermeister nahm sich eine Lesezeit. Seine Wahl war auf „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exup´ery gefallen: „Man sieht nur mit den Augen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“ - Sätze, die nicht nur Jugendliche, sondern auch ausgewiesene Politfüchse nachdenklich stimmen können.
„Große für Kleine“ hieß es am Freitag auch in der Rheindorfer Käthe-Kollwitz-Schule. Große Schülerinnen lasen kleinen Schülern vor - auch eine nette Idee, Kinder fürs Selber-lesen-macht-froh zu begeistern.
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