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Glaubenskrieg ums Impfen

Von ANGELA HORSTMANN, 27.11.06, 11:15h, aktualisiert 28.11.06, 18:07h

Wann sind Impfungen wirklich sinnvoll? Die Masernwelle hat die Debatte um das Schützen wieder neu entfacht. Im studio dumont werden zwei Experten als Gesprächspartnter zur Verfügung stehen.

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Ein Stich, der für Aufruhr sorgt.
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Ein Stich, der für Aufruhr sorgt.
„Zwei Kinder aus NRW an unheilbarer Maserngehirnentzündung erkrankt“ - diese Meldung sorgte im Sommer, als viele Kinder an Masern erkrankt waren, bei den Eltern für Panik. Schließlich ist die „Subakute sklerosierende Panenzephalitis“, kurz: SSPE, zwar eine äußerst seltene, aber besonders tückische Masern-Komplikation. Erst Jahre nach einer Infektion bricht eine SSPE aus und führt zum Tod.

1600 Kinder und Jugendliche erkrankten im Sommer in NRW an Masern. Ursache für die Epidemie ist, so die Experten, die schlechte Impfrate. Nur 66 Prozent der Kinder und Jugendlichen seien gegen Masern geimpft, statt der erforderlichen über 90 Prozent, die notwendig wären, wolle man die Krankheit beseitigen, beklagte Dr. Thomas Fischbach, Vorsitzender des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) Nordrhein. Der Verband will der Impfmüdigkeit jetzt den Kampf ansagen: In der vergangenen Woche überprüften die Ärzte 40 000 Impfpässe von Siebtklässlern.

Dabei steckt nicht immer Nachlässigkeit dahinter, wenn Eltern ihre Kinder nicht impfen lassen. Manche Eltern wollen ganz bewusst auf den „kleinen Pieks“ verzichten - aus Sorge um nicht erforschte Langzeitnebenwirkungen oder weil sie glauben, so die Abwehrkräfte ihrer Kinder zu stärken. „Unverantwortlich“ schimpfen Impfbefürworter.

Die Masernwelle hat die Debatte um das Impfen wieder neu entfacht. Grund genug für den „Kölner Stadt-Anzeiger“ seinen Lesern am Mittwoch, 29. November, 19 Uhr, die Gelegenheit zu geben, sich zu informieren. Als Gesprächspartner im studio dumont in der Breite Straße 72 werden der Leiter des Kölner Gesundheitsamtes und stellvertretende Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (Stiko) am Robert Koch-Institut, Dr. Jan Leidel, und der Herdecker Kinderarzt und Mitbegründer der Initiative „Ärzte für einen individuellen Impfentscheid“, Dr. Christoph Tautz zur Verfügung stehen. Impfe ich mein Kind? Wann impfe ich es und wogegen? Die Stiko hat klare Empfehlungen: Nach dem vollendeten zweiten Lebensmonat sollen Kinder in einer Sechsfachimpfung gegen Tetanus, Diphtherie, Kinderlähmung, Keuchhusten, Hepatitis B und Haemophilus Influenza Typ b (Hib) geimpft werden. Neu ist die Empfehlung für eine Pneumokokkenschutzimpfung. Mit Beginn des 2. Lebensjahres sollten laut Stiko Kinder gegen Masern, Mumps, Röteln sowie gegen Windpocken geimpft werden und neuerdings auch gegen Meningokokken C, die knapp 30 Prozent der Hirnhautentzündungen auslösen. Auffrischungsimpfungen werden vor der Einschulung beziehungsweise im Jugendalter empfohlen.

„Diese Empfehlungen sind Entscheidungshilfen für Eltern und Ärzte“, erläutert Dr. Jan Leidel. Ihr Sinn sei es, die Kinder frühzeitig zu schützen - und das bei geringem Risiko. „Derzeit werden ausschließlich gut verträgliche Impfstoffe geimpft“, betont der stellvertretende Stiko-Vorsitzende. Gleichwohl heiße das nicht, dass es nicht auch Nebenwirkungen geben könne. Die allerdings gebe es bei Impfungen „seltener als bei irgendeinem anderen Arzneimittel“. „Impfungen sind nach aller wissenschaftlichen Erkenntnis die am besten verträgliche medizinische Maßnahme“, sagt Leidel.

Sorge, dass eine Sechsfachimpfung einen Säugling überfordere, hat er nicht. Dem Körper sei es egal, mit wie viel abgetöteten Krankheitserregern er sich auseinandersetzt. „Entscheidend ist die Zahl der Fremdproteine in einem Impfstoff“, erläutert er. Und in diesem Punkt seien die modernen Impfstoffe deutlich verbessert. Seien früher über 1000 Trägereiweiße in einem Einzelimpfstoff gewesen, seien es heute im Sechsfachimpfstoff gerade mal wenige Dutzend.

Trotzdem mag der Herdecker Kinderarzt Dr. Christoph Tautz Eltern keine ausdrückliche Impfempfehlung geben. „Ich informiere die Eltern“, sagt er. Kritisch sieht Tautz vor allem den frühen Impfzeitpunkt. „Mit drei Monaten ist die Entwicklung des Nerven- und Immunsystems noch nicht abgeschlossen“, kritisiert er. Ob die frühe Impfung langfristig zu Schäden führt, sei nicht bekannt. Ebenso wie es über die Langzeitnebenwirkungen vieler Begleitstoffe keine Erkenntnisse gebe. Zudem würden durch eine Impfung nicht so viele Antikörper gebildet, wie nach einer durchgemachten Infektion. Das bedeute langfristig auch, dass die geimpften Mütter später ihren eigenen Kindern einen schlechteren Nestschutz mitgeben, was dann wiederum eine frühere Impfung nötig mache.

Ein weiteres Phänomen besorgt Tautz. Durch die Hib-Impfung etwa sei es zwar gelungen, die Häufigkeit der Hib-Meningitis zu drosseln. Insgesamt aber wurde keine Reduzierung der Hirnhautentzündungen erreicht.

Tickets

Karten für den Infoabend am kommenden Mittwoch (06.12.2006), 19 Uhr, im studio dumont, gibt es zum Preis von vier Euro im Servicecenter Breitestraße 72 zbd sofern der Vorrat reicht - auch an der Abendkasse.



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