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Der „Straßenkrieg“ erreicht Köln

Von DAMIAN ZIMMERMANN UND TIM STINAUER, 28.11.06, 07:14h, aktualisiert 28.11.06, 18:40h

Makabre Menschenjagd oder harmlose Wasserschlacht? Polizei und Ordnungsamt prüfen ein Verbot eines Live-Rollenspiels, bei dem die Spieler einander drei Wochen lang verfolgen und "abschießen".

Bild: Damian Zimmermann
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Auflauern und mit der Wasserpistole abschießen - das ist der Sinn von "Streetwars".
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Auflauern und mit der Wasserpistole abschießen - das ist der Sinn von "Streetwars".
Erst tobte er in New York, dann in London, und jetzt hat der „Straßenkrieg“ Köln erreicht. „Streetwars“ heißt das neue Live-Rollenspiel aus Amerika, das im Januar erstmals in einer deutschen Stadt gespielt werden soll. Etwa 200 Teilnehmer, so schätzt der Veranstalter, werden drei Wochen lang durch die Straßen laufen, sich gegenseitig observieren, verfolgen und abschießen - mit Wasserpistolen zwar, aber dennoch scheiden sich im Vorfeld die Geister: Ist „Streetwars“ eine makabre Menschenjagd oder nur eine harmlose Wasserschlacht? Polizei und Ordnungsamt wollen sich in den nächsten Tagen beraten, ob sie das Spiel verbieten.

Die Regeln sind relativ einfach. Jeder Teilnehmer erhält eine Zielperson, die er ausfindig machen und mit einer Wasserpistole bespritzen muss. Doch jeder Täter ist gleichzeitig auch Opfer und wird von einem anderen Agenten gejagt.

Gespielt werden soll im gesamten Stadtgebiet Kölns - Tag und Nacht, drei Wochen lang. Sichere Zonen sind die Arbeitsstelle, der Studienort, öffentliche Verkehrsmittel sowie fahrende Autos, Motor- und Fahrräder. Wer als Letzter übrig bleibt, erhält die Siegesprämie von bis zu 500 Euro. Bislang haben sich 22 Teilnehmer angemeldet, die Mitmachgebühr beträgt 35 Euro.

Der Fantasie sind bei dem Spiel - zumindest theoretisch - kaum Grenzen gesetzt, wie man auch auf der Website des Veranstalters Sven Norenkemper erfahren kann. „Verkleide dich als Postbote“ wird dort empfohlen. Und in Videos lauern die Attentäter in Mülltonnen und auf Hausdächern. Der Realität dürfte dies wohl kaum entsprechen. „Es gibt Teilnehmer, die wollen sich für die drei Wochen Urlaub nehmen“, erklärt Norenkemper. Er geht davon aus, dass sich die meisten lediglich zwei, drei Tage Zeit nähmen, um ihre Zielperson zu finden. Der Rest bleibe Alltag, spektakuläre Verfolgungs- und Überwachungsaktionen dürfe man nicht erwarten.

Bei der Polizei und der Stadt sehen die Verantwortlichen das ein wenig anders: „Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit werden wir zu dem ein oder anderen Einsatz wegen des Spiels gerufen“, vermutet Polizeisprecher Christoph Gilles. Zum Beispiel, wenn Passanten einen Rollenspieler, der hinter einem Auto kauert und seine Zielperson belauert, als echten Kriminellen einstufen. Oder wenn es wilde Verfolgungsjagden durch die Straßen geben sollte. Im Kollegenkreis seien sofort Erinnerungen wach geworden an einen Einsatz vor einigen Jahren, sagte Gilles. In einer Tiefgarage in Braunsfeld hatte ein Filmteam eine Entführung nachgestellt. Offenbar sehr realistisch, denn Anwohner gerieten in Panik. Sie sahen vermummte Männer mit Pistolen und ein Auto, das mit quietschenden Reifen die Garagenzufahrt herunterraste - auf dem Rücksitz das „Entführungsopfer“ mit einem Sack über dem Kopf. Die Polizei rückte an. „Wir sind damals nur haarscharf am Schusswaffengebrauch vorbeigekommen“, erinnert sich Gilles. Erst im letzten Moment habe sich die Irritation aufgeklärt.

Nach Auskunft von Ordnungsamts-Chef Robert Kilp werde man in den nächsten Tagen „genau prüfen, ob dieses Spiel unter Umständen Rechtsnormen verletzt“, ob zum Beispiel die öffentliche Ordnung unter dem Straßenkampf mit Wasserpistolen leiden würde. „Wir werden uns auch mit dem Jugendamt und der Polizei in Verbindung setzen und gemeinsam überlegen“, kündigte Kilp an. Erst dann werde entschieden, ob man „Streetwars“ in Köln zulasse oder nicht.

Auch, damit sich ein Vorfall wie in Braunsfeld nicht wiederholt, lautet eine der Spielregeln von „Streetwars“: Die Waffen müssen „eindeutig als Wasserpistolen erkennbar“ sein. „Im Grunde“, sagt Veranstalter Norenkemper, „könnte man der Zielperson auch die Hand auf die Schulter legen und sagen: »Ich hab dich.«“ Aber das wäre eben auch nicht so spannend. Norenkemper, ein 33 Jahre alter Sozialpädagoge, will „Streetwars“ eher als eine Art moderne Schnitzeljagd verstanden wissen. „Panische Zustände“ in der Kölner Innenstadt befürchtet er keinesfalls.

Im Gegensatz zu Michael Bloomberg, dem Bürgermeister von New York, wo das Live-Rollenspiel schon zweimal stattfand. Bloomberg hat eine klare Meinung: „So ein Spiel ist kein Spaß in der heutigen Zeit.“ Auch in London, wo sich die Wasserschlacht-Teilnehmer im vergangenen Sommer trafen, reagierten Behörden wie Bevölkerung nach den Terroranschlägen sehr empfindlich. Die örtliche Polizei warnte die Rollenspieler im Vorfeld, sich von U- und Eisenbahnen fernzuhalten: „Wer mitmacht, riskiert, erschossen zu werden“, ließ Scotland Yard verlauten.

In London haben sich die Einwohner längst daran gewöhnt, dass an jeder Straßenecke Überwachungskameras hängen. Genau deshalb habe „Streetwars“ etwas Ermahnendes, sagt Veranstalter Norenkemper. Es solle den Teilnehmern „ein Gefühl vermitteln, wie es ist, in einer zukünftigen Gesellschaft zu leben, in der man unter ständiger Beobachtung steht“.



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