Von BERNHARD ROMANOWSKI, 05.12.06, 18:25h, aktualisiert 06.12.06, 09:28h
Mechernich-Vussem - „Für uns ist Weihnachten vorbei. Wir sind gedanklich schon bei Ostern“, erwidert Ludwig Klein auf die Frage, wie denn die Geschäfte in der Adventszeit laufen. Seit dem Umzug von Holzheim nach Vussem 1991 betreibt der Konditormeister im ehemaligen Dörries-Scharmann-Gebäude die Firma „Naschwerk“ - gemeinsam mit seiner Frau Peggy.
Ganze Armeen von Schneemännern und Nikoläusen aus Schokolade und Marzipan haben sich in dieser Zeit von Vussem aus auf den Weg gemacht, um anderswo vernascht zu werden. Weihnachten und Ostern sind allerdings nicht die einzigen Anlässe, zu denen sich Klein etwas einfallen lässt. „Süße Extras“ nennt er die kunstvoll gestalteten Naschereien, mit denen er sein Geld verdient.
Sein Geschäft gliedert sich in zwei Bereiche. Zum einen werden die „Wiederverkäufer“, wie etwa Bäcker oder Süßwarenläden, mit den handelsüblichen Produkten in Form von Marzipanröschen oder Figuren aus Schokolade beliefert. Etwas ganz Besonderes aber sind die süßen Spezialanfertigungen, die Klein für namhafte Firmen entwirft. Wer beispielsweise seinen neuen Wagen direkt beim Fahrzeughersteller Audi in Ingolstadt abholt, der bekommt dort auch eine Miniatur seines Flitzers in Schokolade. Wem dagegen mehr danach ist, eine Nacht im Nobelhotel „Adlon“ in Berlin zu verbringen, der darf Kleins „schokoladige“ Champagnerflasche mit nach Hause nehmen, die mit feinsten Pralinen gefüllt ist.
Die Grundstoffe Schokolade und Marzipan bezieht „Naschwerk“ größtenteils von der belgischen Firma Callebaut, die 450 Sorten im Angebot hat und mit eigenen Kakaoplantagen auf mehreren Kontinenten als weltweit größter Produzent der Branche gilt. „Callebaut garantiert uns die Qualität, die wir brauchen und für die uns unsere Kunden schätzen“, erklärt Klein. Wichtig für eine gute Schokolade sei der Kakaogehalt. Deutsche Produkte enthielten, anders als in Belgien und der Schweiz, zu viel Zucker. Für den Laien auf diesem Gebiet hat der Eifeler Konditor einen ganz einfachen Tipp parat: „Je weniger auf der Packung steht, desto besser ist das gekaufte Produkt.“ Natürlich weiß der sympathische 46-Jährige, der sich selbst als „spezialverrückt“ bezeichnet, auch einiges über die gesundheitlichen Aspekte von Kakao und Schokolade zu berichten. In Maßen genossen, hat die Leckerei etwa eine nachgewiesene antidepressive Wirkung.
Sogar „Kaiser Franz“ höchstselbst weiß die Arbeit der Eifeler zu schätzen. Zur letzten WM fertigten die „Naschwerker“ in Vussem eigens eine Praline für den DFB an. Darauf zu sehen war eine spannende Kopfball-Situation, die per Laserdruck aus hauchdünnem Zuckerguss aufgetragen wurde.
Auch auf hoher See sind Kleins Kreationen zu finden. Das Abbild des Kreuzfahrtschiffes „Aida“ ist derzeit als Aufdruck auf einer kleinen Schokoladentafel in der Fertigung. Die Reisegäste erhalten sie als „Give-away“ von der Bordcrew mit auf den Weg.
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