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Marlar hat keine Mutter mehr

Von ANJA KATZMARZIK, 13.12.06, 22:14h, aktualisiert 13.12.06, 23:02h

In der Nacht zu Mittwoch musste Elefantendame Khaing Lwin Htoo, Marlars Mutter, wegen eines Blasenvorfalls eingeschläfert werden. Das Jungtier sucht nun nach seiner Mutter und versucht vergeblich, an den Zitzen der „Tanten“ zu saugen.

Bild: Knieps
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Die acht Monate alte Marlar ist Waise.
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Die acht Monate alte Marlar ist Waise.
Bild: Grönert
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Familienfoto aus glücklichen Tagen: Marlar kurz nach ihrer Geburt im Kölner Elefantenhaus mit ihrer Mutter Khaing Lwin Htoo.
Bild: Grönert
„Es ist der schwerste Tag meiner jungen Karriere“, sagte Zoodirektor Theo Pagel mit gesenktem Haupt auf der kurzfristig einberufenen Pressekonferenz. „Wir haben eine traurige Mitteilung zu machen.“ In der Nacht zu Mittwoch musste Elefantendame Khaing Lwin Htoo wegen eines Blasenvorfalls eingeschläfert werden.

Die 25 Jahre alte Elefantenkuh, die am 30. März das erste Kölner Elefantenbaby Marlar geboren hatte, litt bereits Anfang des Jahres an einer Schwellung im Genitalbereich. Drei Monate vor der Geburt hielt man die Wasseransammlung für Fruchtwasser, das die Niederkunft ankündige. Dann stellte sich die Schwellung jedoch als Blasenvorfall heraus.

Die Blase war ins Becken umgeschlagen und lief über, erklärte Zoo-Veterinär Olaf Behlert. Das geschah bei der Elefantenkuh wahrscheinlich aufgrund eines Drucks im Unterleib, wie er durch Wehen oder Koliken ausgelöst werden kann. Heilbar war das nicht, eine Operation so gut wie unmöglich. Eine Schmerztherapie - etwa mit Rückenmarkspritzen - verbesserte Khaing Lwin Htoos Zustand zwar so, dass sie Marlar optimal mit Muttermilch versorgen und sich um die Kleine kümmern konnte. Doch ein Gebärmuttervorfall kam hinzu, Schmerzmittel wirkten nicht mehr. Behlert: „Wir konnten das ethisch nicht mehr verantworten.“ Vergangene Woche wurde Marlar auf Ersatzmilch umgestellt, um auf den baldigen Verlust der Mutter vorbereitet zu werden.

KSTABLOG: "Liebe Marlar"

Nun ist Khaing Lwin Htoo von ihrem Leiden erlöst. Sie wurde in einem abgetrennten Bereich des Bullengeheges gelockt und mit einem Narkosepfeil betäubt. Ein weiteres Medikament führte schließlich gegen 23 Uhr zum Atemstillstand. Die übrige Herde befand sich derweil im Außengehege. Mit einem Kran wurde der Körper der Elefantenkuh gestern Morgen auf einen Lastwagen gehievt und nach Viersen gebracht, wo er verbrannt wird. Die kleine Marlar ist - wie die gesamte Herde - irritiert und unruhig, weil ein Gruppenmitglied fehlt. Aus diesem Grund und um Marlar besser betreuen zu können, bleibt die Herde vorübergehend im Haus, das aber für Besucher geöffnet bleibt. Gestern wurde es gründlich von den Spuren und Gerüchen gereinigt, die an die Verstorbene erinnern könnten. Das Jungtier lief suchend draußen umher. Die Verwandtschaft kümmert sich - wie schon vor dem Tod der Mutter - rührend um das Kleine. „Unsere thailändischen Kühe sind wie jeck auf sie“, so Zootierarzt Olaf Behlert erleichtert. An den Zitzen dieser Kühe saugt Marlar jedoch vergeblich. Ernährt wird der Baby-Dickhäuter noch bis zum zweiten Lebensjahr mit Elefantenmilchersatz sowie mit besonders eiweißreichen Nahrungsergänzungsmitteln. Die Flasche kriegt Marlar nicht. Sie trinkt selbständig mit dem Rüssel aus einem Eimer. Vielleicht braucht sie das aber bald nicht mehr. „Tante“ Tong Koon könnte nach Einschätzung des Veterinärs bereits Weihnachten oder spätestens im März Mutter werden, „Tante“ Thi Ha Phyus Geburt ist für Mitte 2007 ausgerechnet. Herdenzuwachs wäre ideal für „Einzelkind“ Marlar. „Das gäbe einen wahren Elefanten-Kindergarten“, so Behlert. „Und Marlar könnte bei ihren Tanten trinken. Das ist unsere große Hoffnung.“



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