Von MICHAEL KOHLER, 14.12.06, 11:38h
Beide unglücklich verliebten Frauen wollen plötzlich nur noch weg, und so trifft es sich, dass ihnen das Internet einen Wohnungstausch vermittelt: Amanda zieht für zwei Wochen in Iris' gemütliches Haus auf dem englischen Land, und Iris steht ungläubig inmitten einer hollywoodesken Wohnoase.
Die Werbebotschaft „Ein neues Heim, ein neues Leben“ ist mittlerweile ziemlich abgedroschen, doch mit etwas komödiantischem Gespür findet man noch das eine oder andere Körnchen Wahrheit darin. Der Aufbruch der beiden Heldinnen ist jedenfalls derart überstürzt, dass Freunde und Verwandte ahnungslos vor der Tür der Verreisten stehen und mit der jeweiligen Wohnungshüterin schon bald per Du sind.
Amanda hüpft mit Iris' Bruder Graham (Jude Law) ins Bett, kaum dass der sich wortreich für sein Hereinplatzen entschuldigt hat, bei Iris dauert die romantische Runderneuerung etwas länger, dafür hat aber sie auch gleich zwei Galane zur Verfügung: den Filmkomponisten Miles (Jack Black) und als platonische Ergänzung einen 91-jährigen Drehbuchautoren aus Hollywoods goldener Zeit (gespielt von Eli Wallach), der Iris mit gutem Zuspruch und noch besseren Spielfilmtipps versorgt.
Das Schöne an der romantischen Komödie ist das sicher gebuchte Happy End, doch wäre dieses nichts, stünde dem Glück nicht ein Parcours von Versuchungen und Missverständnissen im Weg. Wer wüsste das besser als Nancy Meyers, die mit „Was Frauen wollen“ und „Was das Herz begehrt“ für ihre ganz persönliche Neubelebung des Hollywood-Genres gesorgt hat und „Liebe braucht keine Ferien“ als eine Art gemischtes Tennisdoppel inszeniert, bei dem sich Paare und Nebenbuhler die Bälle über den pazifischen Ozean hinweg zuspielen.
Allerdings ist es immer ein schlechtes Zeichen, wenn der Künstler sein Werk beständig als etwas Besonderes anpreist. „Solche Filme machen sie heute nicht mehr“, hört man Meyers ein ums andere Mal durch ihre Figuren seufzen, während sie selbst ganz offensichtlich versucht, die Ausnahme von der Regel zu sein. Das beginnt schon mit dem Filmtitel, der im Original („The Holiday“) George Cukors gleichnamigen Klassiker mit Cary Grant und Katharine Hepburn zitiert, und endet mit einem multiplen Liebesglück, das wiederum Preston Sturges turbulente „Palm Beach Story“ im Sinn hat.
Wer den Vergleich mit den Sophisticated Comedies der 1930er Jahren sucht, muss ihn dann aber auch aushalten. Zwar hat Nancy Meyers ihr Händchen für Schauspieler und kunstvoll verknotete Situationen nicht verloren, doch wird man mit ihren Figuren nie so richtig warm. Eine hübsche Idee ist es, Amandas Grübeleien in der Manier ihrer Filmtrailer zu präsentieren, und wenn Iris in Los Angeles ankommt und aus dem Staunen nicht mehr herauskommt, ist diese überschäumende Freude am Neuen tatsächlich ansteckend.
Davon abgesehen bleibt der romantische Überschwang oftmals reine Behauptung und kippt zwischenzeitlich sogar in vorweihnachtliche Süßlichkeit um. Dabei begann „Liebe braucht keine Ferien“ mit einem wunderbaren Shakespeare-Zitat, dem man im Nachhinein einen schöneren Film gewünscht hätte: „Journeys end in lovers meeting.“
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