Von MATTHIAS PESCH UND PETRA WISCHGOLL, 21.12.06, 07:16h
Gegen Ende der Feier tritt ein muslimischer Schüler aus der 10. Klasse ans Mikrofon: „Auch wenn ich persönlich kein Weihnachten feiere“, sagt der Jugendliche, „freue ich mich für meine Mitmenschen und wünsche ihnen ein schönes Fest.“ Seine Mitschüler applaudieren, pfeifen - die Stimmung in der Pfarrkirche St. Theodor in Vingst ist eher lebendig als besinnlich. Mehr als 400 Jungen und Mädchen aus der Ganztagshauptschule Nürnberger Straße haben sich in dem katholischen Gotteshaus zur weihnachtlichen Feier versammelt, viele Moslems sind darunter, einige Mädchen sitzen mit Kopftuch in der Bank.
„Die Schule hat keine Aula, deshalb feiern wir hier“, sagt Pfarrer Franz Meurer, der seinen evangelischen Mitbruder, Pfarrer Jörg Wolke, und den Imam der Ehrenfelder Moschee, Ismail Altintas, zu der multireligiösen Feierstunde eingeladen hat. Meurer weiß natürlich, dass Kardinal Joachim Meisner jüngst per Richtlinie katholischen Kindern verboten hat, an solchen Feiern teilzunehmen, weil Christen und Moslems nicht gemeinsam beten sollten. Aber gemeinsam gebetet wird nicht: Pfarrer Wolke trägt einen Psalm vor, wünscht Moslems, Juden und Christen „gesegnete Tage“ - zum Opferfest, zum Chanukka-Fest und zu Weihnachten. Der Imam wünscht sich, dass „der Mensch Frieden macht mit Gott und mit sich selbst, mit seinen Mitmenschen und mit Gottes Schöpfung“. Und natürlich gestalten die Schüler selbst die Feier: mit Chorgesang und eigenen Textvorträgen. „Ich habe nicht den Anspruch, irgendwelche Richtlinien zu erfüllen“, sagt Meurer, „sondern es geht mir allein um den Frieden im Viertel.“
Auch das Genoveva-Gymnasium in Mülheim nahm die Tatsache, dass die religiösen Feste Chanukka, Bayram (das islamische Opferfest) und Weihnachten in den gleichen Monat fallen, zum Anlass, ein Winterfest zu feiern. Das Motto: „Weihnachten - Bayram - Chanukka“. Zum dritten Mal hatten Schüler, Lehrer und Eltern das Winterfest organisiert. „Es wird aber nicht gebetet, es wird gemeinsam gefeiert“, betonte Schuleiterin Godrun Brandenburg mit Blick auf Meisners Erlass. Vielmehr nahm das städtische Gymnasium die Feste zum Anlass, die Glaubensrichtungen vorzustellen. Extra dafür wurde ein „Religionsraum“ ausgestattet: So leuchteten neben einem Christbaum Kerzen auf dem Chanukka-Leuchter, selbstgebastelte Plakate erklärten den Islam. Zusammengestellt wurden die Infos von Fünftklässlern während des Islamunterrichts und Oberstufenschülern beim christlichen und jüdischen Religionsunterricht.
Mehr als 800 Jungen und Mädchen besuchen das Genoveva-Gymnasium, laut Rektorin Brandenburg haben 65 Prozent davon einen Migrationshintergrund. „Es ist ein multikulturelles Fest“, betonte auch Stefanie Nagel, Mutter und Mitorganisatorin. „Es geht um das gemeinsame Feiern, und dass wir das, was uns verbindet, heraussuchen.“
Allerdings drehte sich bei der Feier nicht alles um Religion: Es gab ein türkisches Büfett, einen Sport-Bazar, Kinderschminken und einen Nikolaus. Natürlich durften auch Aufführungen nicht fehlen: Die Tanzklasse 5b stand auf der Bühne, die Jungen und Mädchen organisierten eine Judo-Show und einen Lehrer-Schüler-Chor.
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