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Ein Besuch bei Freunden

Erstellt 29.12.06, 07:03h

Der Bandleader, Pianist und Sänger Paul Kuhn verkörpert souverän den swingenden Jazz - so auch bei der 21. Ausgabe seiner „Jazz Pops“ in der Kölner Philharmonie. Ein Gespräch nach dem traditionellen Konzert.

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Paul Kuhn
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Paul Kuhn
Der Bandleader, Pianist und Sänger verkörpert souverän den swingenden Jazz - so auch bei der 21. Ausgabe seiner „Jazz Pops“ in der Kölner Philharmonie. Ein Gespräch nach dem traditionellen Konzert.

KÖLNER STADT-ANZEIGER: Paul Kuhn, jedes Konzert Ihrer „Jazz Pops“ erscheint wie ein Blättern im goldenen Songbook amerikanischer Songwriter. Sind die für Sie das Maß aller Dinge?

KUHN: Aller Dinge weiß ich nicht. Sicherlich sind sie ein Teil meines Denkens geworden, seit ich angefangen habe, in der Besatzungszeit damals nach dem Zweiten Weltkrieg für die Amerikaner zu spielen. Sie haben mir Material mitgebracht, ich habe davon und damit gelebt, es studiert - tolle Musik, von den fabelhaften Texten mal ganz abgesehen. Doch, doch, sie waren sehr wichtig für mich.

Trotzdem verändern Sie hier wie dort das Original, spielen es langsamer oder schneller, kleiden es in ein anderes Arrangement. Ist Ihnen der Song im Urzustand nicht gut genug?

KUHN: Doch, die Songs sind gut genug. Ich will nur beweisen, wenn es wirklich gute Stücke sind, kann man mit ihnen fast alles machen. Mit schlechten Stücken geht das nicht. Klar, man kann auch das Beste verhunzen und verballhornen; wenn man es darauf anlegt, dann ist es um das Lied geschehen. Ich selbst habe auch schon „Wiener Blut“ im Fünf-vierteltakt gespielt. Das geht auch, man muss es nur mögen.

Hubert Nuss übernimmt nicht immer, aber immer öfter den Pianopart für Sie. Brauchen Sie mehr Zeit, um die Band zu leiten?

KUHN: Es ist schon viel, eigentlich zu viel, wenn man alles machen und koordinieren will. Es funktioniert eben nicht alles automatisch. Auch nicht ein Experiment wie heute Abend: eine Jazz-Samba als Medley, die ja swingen muss, weil sie sonst nichts ist (lacht). Da spiele ich Klavier, ansonsten gehöre ich bis auf Ausnahmen der Band.

Alle Jahre wieder, freilich nicht kontinuierlich, stellen Sie eine Sängerin vor die Band, diesmal Roberta Gambarini. Was zeichnet die Italienerin in Ihren Augen aus?

KUHN: Sie singt unglaublich gut, sie ist blitzsauber, sie hört absolut, sie swingt, macht Scat so gut wie man es von Ella Fitzgerald kennt, sie erinnert an die große Carmen McRae. Ihre neueste Platte ist für einen Grammy nominiert.

Was würden Sie jemandem erwidern, der behauptet, der Paul Kuhn kann gar nicht singen, der nuschelt doch nur?

KUHN: Wenn jemand dieser Meinung ist, soll er es ruhig sagen, das stört mich nicht.

Die „Jazz Pops“, jedes Jahr zu Weihnachten, sind regelmäßig ausverkauft. Ist Ihnen dieser Vertrauensbonus nicht langsam unheimlich?

KUHN: Diese Konzerte haben sich zu einer liebgewonnenen Gewohnheit entwickelt. Viele kommen regelmäßig, manche zum ersten Mal und dann immer wieder. Das freut mich natürlich. Es ist wie ein Besuch bei Freunden. Ich suchte einmal meine Brille, klopfte die Anzugtaschen ab, zeigte das Etui, da kam prompt der Hinweis aus dem Publikum: „Auf dem Flügel, auf dem Flügel.“

Fordern Sie die „Jazz Pops“ noch heraus oder ist es mehr ein Unterhaltungsprogramm?

KUHN: Also es liegt dazwischen, ich nenne es ja nicht von ungefähr „Jazz Pops“: populäre Jazztitel, populäre Komponisten und so weiter. Die „Jazz Pops“ müssen unterhaltsam sein, ich spiele ja nicht für mich alleine.

Sie beschließen die Konzerte meist mit „The Party Is Over“. Wann ist die Party nun wirklich vorbei? Können Sie sich ein Leben ohne Musik überhaupt vorstellen?

KUHN: Nö. Unvorstellbar. Ich habe oft darüber nachgedacht, was wäre ich wohl geworden, wenn ich mich nicht für die Musik entschieden hätte. Vielleicht Tierarzt, ich liebe Tiere sehr. Oder etwas im Zusammenhang mit Blumen. Doch die Musik ist zu einer Berufung geworden. Nur einmal, nach einer schwierigen Herzoperation zuletzt, hatte ich überhaupt keine Lust mehr zu spielen, ich hatte Angst. Es fiel mir schwer, aktiv tätig zu sein. Erst langsam fand ich wieder zurück, wobei mir ein erstes Konzert in Duisburg mit Till Brönner als Motor auch psychologisch half.

Das Gespräch führte

Martin Woltersdorf



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