Von LARS GAEDE, 04.01.07, 10:09h, aktualisiert 09.01.07, 12:38h
Sehnsucht, Einsamkeit, Freundschaft, Liebe - es sind die ganz großen Themen, um die der spanische Regisseur Fernando Léon de Aranoa seinen neuen Film „Princesas - Königinnen der Nacht“ kreisen lässt. Und wie bereits bei seinem letzten Werk „Montags in der Sonne“, in dem er das triste Leben arbeitsloser Hafenarbeiter skizzierte, findet er diese Themen im Leben der kleinen Leute.
Ganz ohne in gängige Rotlicht-Klischees zu verfallen, beleuchtet er das Leben zweier Prostituierter auf dem Madrider Straßenstrich: Caye ist aus bürgerlichem Elternhaus, Zulema ist illegale Einwanderin aus der Dominikanischen Republik. Eigentlich verbindet sie nicht viel mehr als die gemeinsame Art des Geldverdienens. Und doch teilt Caye nur mit Zulema ihre tiefe Verzweiflung: „Sehnsucht ist an sich nichts Schlechtes. Ich habe nur nie etwas Schönes erlebt, wonach ich mich sehnen könnte.“ Als sie sich in einen Informatiker verliebt, erhebt sie den Hauch von Beziehungsnormalität zum zentralen Motiv ihrer Träume.
Zulemas Probleme sind da weitaus handfester: Immer wieder wird sie von einem Mann brutal vergewaltigt, von dem sie sich eine Aufenthaltserlaubnis erhofft. Darüber hinaus leidet sie unter der Trennung von ihrem Sohn, dem sie Geld schickt. In diesem Klima der Verzweiflung schaffen sich die beiden Huren indes immer wieder Momente der Unbekümmertheit.
Gestützt werden diese durch witzige Passagen, mit denen Aranoa das Tragische immer wieder gekonnt kontrastiert. Die Musik von Manu Chao trägt dabei die fröhlich-traurige Grundatmosphäre. Vor allem ist „Princesas“ aber auf Grund der überzeugenden Hauptdarstellerinnen sehenswert. Candela Peña und Micaela Nevárez verleihen ihren Charakteren glaubhaft den ungebrochenen Stolz gebrochener Seelen und gewannen dafür die Goyas in den Kategorien „Beste Hauptdarstellerin“ und „Beste neue Schauspielerin“.
„Heute sind wir keine Huren, heute sind wir Prinzessinnen“, sagt Zulema einmal. Sehr traurige Prinzessinnen, aber immerhin.
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