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Wahrheit und Wahnsinn

Von CHRISTIAN BOS, 12.01.07, 23:13h

Robert Anton Wilson, Autor der „Illuminatus!“-Trilogie und Held der Gegenkultur starb im Alter von 74 Jahren. Von ihm wird vor allem ein Satz in Erinnerung bleiben.

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Robert A. Wilson
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Robert A. Wilson
Ob er es nun wollte oder nicht - vom so komplexen wie komischen Autor Robert Anton Wilson wird dieser eine Satz in Erinnerung bleiben: „Alle großen Anarchisten sind am 23. eines Monats gestorben.“ Den hatte Wilson in seiner gemeinsam mit Robert Shea verfassten „Illuminatus!“-Trilogie niedergeschrieben. Einem Meisterwerk, das mit einem Bein fest in der modernistischen Tradition von James Joyce steht, mit dem anderen aber bis dahin unbekanntes Land betreten hatte. Ein Datenminenfeld aus esoterischen Wissenschaften, Verschwörungstheorien und Geheimbünden, wie es zur gleichen Zeit auch Thomas Pynchon erahnt hatte.

Robert Anton Wilson wurde zum Guru der Gegenkultur, zum Schutzheiligen der Hacker und zum Till Eulenspiegel der Informationsgesellschaft. Am 11. Januar ist der große Anarchist im Alter von 74 Jahren um 4.50 Uhr im kalifornischen San Jose verstorben. Schon lange hatte er am so genannten Post-Polio-Syndrom gelitten, dass ihn in seinen letzten Jahren ans Bett fesselte. Ach, und die Quersumme aus diesen Daten ergibt natürlich 23.

Als Wilson und Shea Ende der 60er an der „Illuminatus!“-Trilogie schrieben, arbeiteten sie als Redakteure beim „Playboy“ - und amüsierten sich über Leserbriefe, welche die Umwälzungen dieser Jahre mit allerhand paranoiden Verschwörungstheorien zu erklären versuchten. „Was wäre, wenn alle diese Verrückten recht hätten?“, fragten sich die müßigen Redakteure. „Wenn jede einzelne dieser Verschwörungen, über die sie sich beklagen, wirklich existierte?“

Aus dieser einfachen Prämisse erwuchs nach und nach ein an wildem Humor und gedanklicher Kühnheit schwer zu übertreffender Schelmenroman, der sich als kulturell folgenreicher erweisen sollte als das Gesamtwerk mancher Nobelpreisträger - auch weil Wilson und Shea viel Wahrheit in ihren Wahnsinn mischten. „Nur weil du nicht paranoid bist, heißt das noch lange nicht, dass sie nicht hinter dir her sind“, erklärte Wilson, taufte sein Arbeitsprinzip auf den schönen Namen „Operation Mindfuck“ und hatte damit das Prinzip des Hackens erfunden.

In den folgenden Jahren fand man Wilson stets auf der Seite staatszersetzender und freudenspendender Kräfte. Mit LSD-Papst Timothy Leary verband ihn eine lebenslange Freundschaft. Er beschäftigte sich mit Zen-Buddhismus wie mit Aleister Crowleys schwarzer Magie, unterstützte die Utopien Buckminster Fullers und die Medientheorien Marshall McLuhans - und wurde zum maßgeblichen Einflüsterer heutiger Populärkultur. Von den „X-Files“ bis zu Dan Browns „Sakrileg“ - von Wilson haben sie alle abgeschrieben. Als der Filmregisseur Christian Schmidt unter dem Titel „23“ das Leben und Sterben des Hackers und „Illuminatus!“-Fans Karl Koch verfilmte, spielte Wilson sich selbst in einer Gastrolle.

„Ich liebe euch alle und beschwöre euch, die Lasagne fliegen zu lassen“, lautet Wilsons letzter Eintrag in seinem Blog. „Entschuldigt bitte meine Leichtfertigkeit, ich sehe einfach nicht, wie man den Tod ernst nehmen kann. Er scheint so absurd.“



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