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„Nicht nur auf Inspiration hoffen“

Von STEFAN ANDRES, 25.01.07, 21:23h, aktualisiert 09.03.07, 15:26h

Adrian Kasnitz ist Schriftsteller in Köln. Der studierte Historiker war 2005 Brinkmann-Stipendiat. Er ist Begründer der „Parasitenpresse“ und Mitorganisator der „Lesebühne am Brüsseler Platz“.

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Adrian Kasnitz
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Adrian Kasnitz
Montags und dienstags habe ich jeweils Zeit, mich dem Schreiben zu widmen. An anderen Tagen bin ich unterwegs, meist am kulturwissenschaftlichen Forschungskolleg der Universität. Ich stehe früh auf, weil meine zwei Kinder in den Kindergarten gehen. Ich habe Strategien entwickelt, um die Zeit zum Schreiben zu nutzen, so dass etwas dabei herauskommt. Man kann nicht einfach nur auf Inspiration hoffen. Meist habe ich mir Aufgaben bereitgelegt, an denen ich weiterschreiben kann. Auch Lesen gehört natürlich dazu, sich mit anderen Texten auseinandersetzen, sowohl andere Lyrik, Prosa, als auch wissenschaftliche Texte. Auseinandersetzung mit anderen Dichtern ist ein wichtiger Bestandteil des Schreibens, ebenso andere Einflüsse.

In letzter Zeit schaue ich viele Dokumentarfilme. Über schmelzende Gletscher, Globalisierung. Das sind Dinge, die in das tägliche Leben eingreifen: in Bezug auf Ernährung, Beruf, Lebensperspektiven. Ich finde die Frage, ob sich Lyrik, Literatur generell, mit solchen Problemen befassen kann oder soll, und wie man diese Probleme abbilden könnte, sehr spannend. Ich kann nicht stundenlang an Lyrik arbeiten. Als Abwechslung von Lesen und Schreiben dient mir das Ausgehen, einfach spazieren gehen. Gehen ist wichtig! Um Texte durchzusprechen oder Ideen nachzuforschen. Lyrik ist ja auch etwas Rhythmisches.

Ich spaziere dann gerne zum Aachener Weiher, entlang des Kanals in Richtung Lindenthal, zum Grüngürtel oder zum Stadtwald. Ich bin in Köln sowieso gerne zu Fuß unterwegs, noch lieber als mit dem Fahrrad. Ein Auto habe ich nicht. Das Laufen mache ich zwischendurch, die Arbeit am Schreibtisch ist einsam. Und um dann wieder unter Leute zu kommen, habe ich so drei, vier Cafés hier im Belgischen Viertel, wo ich dann gerne reinschaue. Da treffe ich Bekannte, unterhalte mich oder beobachte einfach und lese ein wenig. Am Brüsseler Platz, ist ja auch die Lesebühne, wo wir mit Enno Stahl und anderen Kölner Autoren mindestens einmal monatlich eine Lesung veranstalten. Der dritte Donnerstag im Monat ist da so ein „jour fixe“, da gehört natürlich ein wenig Vorbereitung dazu. Dann ist es wieder Nachmittag und Zeit, die Kleinen abzuholen.

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