Von ANA OSTRI´C, 25.01.07, 18:01h, aktualisiert 26.01.07, 11:38h
1987 trat sie aus der Katholischen Kirche aus und in die Evangelische Glaubensgemeinschaft ein. Schröder arbeitete in der Industrie und der Erwachsenenbildung und begann, als ihr 1978 geborener Sohn weitgehend auf eigenen Füßen stand, ein Studium der Sozialpädagogik in Köln. In ihrer Diplomarbeit befasste sie sich mit dem Thema „Junge Generation im Wandel“, forschte über Jugendliche in Deutschland und stellte fest: „Dazu gehören ja nicht nur die Einwanderer aus Polen und der UdSSR, sondern auch viele muslimische Jugendliche.“
Das Interesse an der ihr noch fremden Religion wuchs. Dorothea Schröder begann, sich in der interkulturellen Arbeit der Evangelischen Kirche zu engagieren. „Jetzt muss ich das mal verstehen“, habe sie damals gedacht, denn persönlichen Kontakt zu Muslimen hatte sie bis dato keinen gehabt. Dafür aber jede Menge Vorurteile. Sämtliche Kopftuchträgerinnen seien ungebildet und unterdrückt, lautete eines davon. Die 64-Jährige besuchte fortan regelmäßig Vorträge zu Religionsthemen, las viel und besuchte schließlich die türkische Moschee am Kiesweg. Einen Deutschkursus für türkische Frauen wollte die engagierte Christin sogleich anbieten. Doch keine weiblichen Gläubigen, sondern der damalige Imam persönlich bat Dorothea Schröder um Nachhilfe. In den Deutschstunden mit Ismail Altentas habe sie viel über die Türkei erfahren. „Und ich habe mein Herz für den Islam entdeckt“, berichtet sie lachend. Just zu dieser Zeit suchte der Evangelische Kirchenkreis eine Mitarbeiterin für den christlich-islamischen Dialog. Dafür erhält Schröder, die von zu Hause aus Vorträge und interreligiöse Treffen organisiert, eine geringe Aufwandsentschädigung. Besonders stolz ist sie auf das christlich-islamische Frauentreffen, das sie vor rund drei Jahren auf die Beine gestellt hat. Monatlich treffen sich Protestantinnen, Musliminnen und neuerdings auch Katholikinnen in verschiedenen Gemeinde- und Gotteshäusern. Die Zusammenkünfte stehen immer unter einem Motto. So beleuchteten die Frauen beispielsweise die Bedeutung des Fastens aus christlicher und muslimischer Sicht. Dorothea Schröder hat durch ihr Engagement nicht nur ihre Vorurteile rasch abgebaut, sondern auch viele Freundschaften mit Muslimen geschlossen. „Die muslimischen Frauen sind sehr daran interessiert, uns Christen kennen zu lernen“, versichert sie all denjenigen, die, genau wie sie vor vielen Jahren, Vorbehalte haben sollten.
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