Von HELMUT FRANGENBERG, 25.01.07, 23:33h
Der Akademiker-Bund, in dem sich türkischstämmige Kölner für Bildung, Chancengleichheit und bessere Perspektiven für Migrantenkinder engagieren, will nicht nur ein Signal in der Kölner Bildungslandschaft setzen. Er will von nun an in jedem Jahr 50 Kindern eine besondere Förderung zuteilwerden lassen. Im Sommer geht es mit zwei fünften Schuljahren in Buchheim los. Man möchte gern, dass die Klassen zur Hälfte aus Kindern aus Migrantenfamilien bestehen.
Das Projekt ist ambitioniert, auch wenn der Träger vom ursprünglichen Plan abgerückt ist, als bi- oder gar trilinguales Gymnasium zu starten. Die Fünftklässler werden nun mit zwei Sprachen starten. Englisch und Türkisch sind Pflichtfächer. Im siebten Schuljahr kommt eine weitere Fremdsprache hinzu. Unterrichtssprache ist Deutsch.
Die Schule macht ein Ganztagsangebot mit kreativen und musischen Kursen sowie einer gezielten Sprachförderung in Deutsch, Englisch und Türkisch auch am Nachmittag. „Wir wollen uns um die Kinder kümmern und sie während ihrer Schullaufbahn begleiten“, sagt Sarc. Der Verein greift auf seine jahrelangen Erfahrungen im Bereich der Hausaufgabenbetreuung und Nachhilfe an sieben Kölner Standorten, in Brühl und neuerdings auch in Wesseling zurück.
Die Kölner Bezirksregierung, die den Betrieb der Ersatzschule genehmigen muss, sieht zurzeit keinen Hinderungsgrund für den planmäßigen Start im Sommer. „Die Antragsteller sind gut aufgestellt“, sagt Sprecher August Gemünd. Die Prüfung eines solchen Antrages sei sehr umfassend und schließe Fragen nach dem Hintergrund und der Finanzierung der Schulträger mit ein. Die Gründung von deutsch-türkischen Gymnasien hat in anderen Städten wie in Berlin zu kritischen Fragen nach einem möglicherweise problematischen Hintergrund der Schulträger geführt. Türkei- und Islamexperten sagen dem umstrittenen türkischen Prediger Fethullah Gülen und seinem Umfeld nach, sie würden weltweit türkisch-islamische Eliteschulen gründen wollen. Gülen lebt in den USA im selbst gewählten Exil, nachdem er in der Türkei Probleme mit Staat und Justiz bekommen hatte. Er wolle mit seinen Eliteschulen die „Führer von morgen“ erziehen, die seinen weltweiten Einfluss vergrößern sollen. Der Auftritt von Gülen erinnert manchen Insider an das Vorgehen von Sekten und Organisationen wie Scientology.
Arp Sarac bestreitet eine Verbindung zu Gülen, den er aber auch nicht „verteufeln“ möchte. Gülen sei ein viel gelesener, „konstruktiver Denker, der keine Dogmen kennt“. Der Kölner Akademiker-Bund sei ein „unabhängiger Verein“, der sich aus Spenden von hier lebenden Bürgern und aus Elternbeiträgen finanziere. Ziel des TDAB sei, die Kinder zu Toleranz, Demokratie und Pluralismus zu erziehen - „wenn es sein muss, auch gegen die Eltern“, so Sarac. Die Trennung von Staat und Kirche müsse sein, weil „Menschen sonst nicht in einer Gemeinschaft zusammen leben können“. Im neuen Gymnasium werde es keine Lehrerinnen mit Kopftuch geben, auch wenn er finde, dass die „Kopftuch-Debatte“ nicht sachlich geführt werde. „Religion ist Privatsache.“ In der neuen Schule habe man am liebsten ganz auf den Religionsunterricht verzichten und stattdessen das Fach „Ethik“ für alle Schüler anbieten wollen. Für die Genehmigung durch die Bezirksregierung ist es jedoch nötig, katholischen und evangelischen Religionsunterricht anzubieten. Von dem können sich moslemische Schüler befreien lassen, um dann am „Ethik“-Unterricht teilzunehmen. Der soll von einem in Deutschland ausgebildeten Lehrer erteilt werden.
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