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„Objektiv“

Von Friederike Günther, 09.11.06, 17:21h

Im Politikunterricht habe ich gelernt, dass die Medien nicht objektiv sind. Denn hinter jedem Artikel, Bericht, Dokumen- tation oder Reportage steht ein Autor mit seinem persön- lichen Blickwinkel. Doch dass gerade die Bürgerbewegung "Jugend pro Köln" eine Schülerzeitung mit dem Namen "Objektiv" an Schüler verteilt hat, ist pure Heuchelei.

Im Politikunterricht habe ich gelernt, dass die Medien nicht objektiv sind. Denn hinter jedem Artikel, Bericht, Dokumentation oder Reportage steht ein Autor mit seinem persönlichen Blickwinkel. Doch dass gerade die Bürgerbewegung "Jugend pro Köln" eine Schülerzeitung mit dem Namen "Objektiv" an Schüler verteilt hat, ist pure Heuchelei.

Im August verteilte die eindeutig rechtsgerichtete Bürgerbewegung bunte Magazine mit Artikeln wie "Ausländische Jugendkriminalität" oder "Jessica und Ali". Beide stellen sich gezielt gegen muslimische Mitbürger. Im Heft "Objektiv" befindet sich auch eine fiktive Geschichte über ein Mädchen, das von einem Jungen belästigt wird. Die Jugendliche kommt letztendlich zu dem Entschluss, dass ihre "Mutter ja doch recht hat, wenn sie sagt, dass viele Moslems ihren sexuellen Kohldampf auf unseren Straßen vor sich herschieben und keine Grenzen bei Mädchen akzeptieren". Das Werk von Bernhard Schlink, der Vorleser, wird so interpretiert: "Die heute vorherrschende Meinung, dass alle Menschen, die zwischen 1933 und 45 gelebt haben und keine Widerstandskämpfer waren, Unmenschen und Verbrecher gewesen seien, wird hier in Zweifel gezogen."

So sorgte diese "Schülerzeitung" für Medienrummel. Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ berichtete bereits kurz nach Erscheinen über das Magazin. Inserenten wurden über die politische Tendenz der Schülerzeitung "Objektiv" aufgeklärt. Sie erklärten der Presse, dass sie nur etwas für die Jugend haben tun wollen und nicht wussten, dass sie an "Rechtsradikale" geraten seien. Sie seien maßlos verärgert.

Viele Schüler und Jugendzeitschriften stellten sich klar gegen die Verteilung des Magazins. Sehr extrem reagierte das linke Jugendmagazin "Antifa". Sie starten eine Protestaktion gegen „pro Köln“. Mit Aufklärungsversuchen reagierte der „Rheintaucher“. Eine große Diskussion wurde auf dem politischen unabhängigen Jugendportal www.juku-koeln.de gestartet. Derweil kündigt die "Jugend pro Köln" ein weiteres Magazin vor Weihnachten an. Auf der Internetseite heißt es:

"Nachdem die inzwischen restlos verteilte Erstausgabe für ein bundesweites Medienecho und völlig abwegige Empörungsrituale bei den Kölner Altparteien gesorgt hatte, will die "Objektiv"-Redaktion bald ihre eigene Antwort auf die linke Hetzkampagne geben. Garantiert politisch unkorrekt, frei im Denken und erfrischend jugendlich!"

Es besteht ein theoretisches Verbot, politisches Material an Schulen zu verteilen. Doch die Praxis zeigt, dass es schwer ist, dies zu unterbinden. Leider wird "Objektiv" vor den Toren der Schule verteilt. „Da hilft nur eins, die Schüler müssen sich gegen das Magazin stellen“, weiß Daniel Bär. Er ist in der Bezirksschülervertretung der Stadt Köln und Verantwortlicher für das erfolgreiche und politisch unabhängige Jugendportal www.juku-koeln.de. Der 17-jährige Schüler möchte dieses heikle Thema natürlich nicht unbehandelt lassen: „Die "Juku-Redaktion" wird noch einige aufklärende Artikel zum Thema "Pro Köln" veröffentlichen. Alle Beiträge, die von der "Jugend pro Köln" oder anderen radikalen Vereinigungen im Forum des Jugendportals veröffentlicht werden, werden auch weiterhin umgehend gelöscht!“

Daniel Bär verdeutlicht: „Die „Schülerzeitung Objektiv“ wird von den meisten Schülern nicht angenommen. Wenn dann gesehen wird, dass junge Schüler die Zeitung mitnehmen, kommen schnell ein paar ältere Schüler und klären die "Kleinen" auf. Die Magazine werden dann eingesammelt und der Altpapiertonne übergeben.“ Vielleicht freut sich auch gerade deshalb die Redaktion von "Objektiv" über den großen Erfolg. „Auch im Unterricht wurde das Thema "Objektiv" lang und breit behandelt“, versichert Daniel Bär. Der Schülersprecher hat sich nun auch für eine Arbeitsgruppe stark gemacht: „Wir wollen gegen „Pro Köln“ demonstrieren. Im Moment sind wir 20 Leute, die an einer fetzigen Idee für die Demo arbeiten.“ Die Demonstration soll voraussichtlich noch dieses Jahr stattfinden.



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