Erstellt 14.11.06, 11:02h, aktualisiert 14.11.06, 16:37h
"Dies war absolut kein Störfall mit Blick auf die Reaktorsicherheit", sagte die zuständige SKI-Sprecherin Maria Svensson. Alle Sicherheitssysteme hätten einwandfrei funktioniert und den Reaktor 60 Kilometer südlich von Göteborg wie vorgeschrieben nach Ausbruch des Feuers automatisch abgeschaltet.
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace forderte am Dienstag als Reaktion auf den Unfall in Ringhals die Bundesregierung in Berlin auf, den alten Atomkraftwerken in der Bundesrepublik sofort die Betriebserlaubnis zu entziehen und alle weiteren Atomkraftwerke so schnell wie technisch möglich abzuschalten. Die Ärzteorganisation IPPNW (Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges) erklärte ebenfalls in Berlin, dass Brände und Explosionen zu den gefährlichsten möglichen Auslösern einer Atomkatastrophe zählen. Der zweite Störfall in Schweden innerhalb weniger Monate zeige, dass man auch in Deutschland "zügig die Atomkraftwerke abschalten und aus diesem gefährlichen Abenteuer endlich aussteigen muss".
Der Brand in Ringhals war kurz nach Mitternacht ausgebrochen, nachdem eine Explosion an einem der beiden Haupttransformatoren für den 1981 in Betrieb genommenen Druckwasserreaktor 3 weithin zu hören war. Die vier Reaktoren des Kraftwerkes Ringhals an der schwedischen Kattegat-Küste decken mit einer Gesamtleistung von 3550 Megawatt knapp 20 Prozent des schwedischen Strombedarfs. Sie waren zwischen 1974 und 1983 ans Netz gegangen.
In schwedischen Presseberichten hieß es, dass aus dem Atomkraftwerk eine riesige Rauchwolke aufgestiegen sei. Nach Angaben von Kraftwerkssprecher Torsten Bohl konnte der eigentliche Brand innerhalb von zwei Stunden gelöscht werden. "Die Ursachen liegen weiter völlig im Dunkeln", sagte Bohl. Es werde mindestens zwei Wochen dauern, ehe der Reaktor wieder Strom produzieren kann. Menschen kamen den Angaben zufolge nicht zu Schaden. Das Kraftwerk Ringhals wird von den Energiekonzernen Vattenfall (70 Prozent) und E.ON (30 Prozent) betrieben.
Ende Juli waren nach einem ernsten Reaktorstörfall in dem rund 100 Kilometer nördlich von Stockholm gelegenen Vattenfall-Atomkraftwerk Forsmark aus Sicherheitsgründen vier der zehn Strom produzierenden schwedischen Kernreaktoren bis zu drei Monate lang abgeschaltet worden. Dadurch erhöhten sich die Strompreise in Schweden spürbar. Ringhals-Sprecher Bohl kündigte an, dass es wegen des erneuten Ausfalls eines Reaktors diesmal keine Anhebung beim Strompreis geben werde.
Die Bevölkerung des skandinavischen Landes hatte sich 1980 in einer Volksabstimmung für den Ausstieg aus der Atomkraft ausgesprochen. Im September 2006 befürworteten allerdings 53 Prozent der Schweden in einer Meinungsumfrage weiterhin die Nutzung der Nuklearenergie. Von den insgesamt 12 in Schweden für die kommerzielle Nutzung gebauten Atomreaktoren sind bisher lediglich die beiden des Atomkraftwerkes Barsebäck bei Malmö auf Dauer abgeschaltet worden.
(dpa)
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